Schock und Verzweiflung in Malawi nach Zyklon „Freddy“

Tropensturm „Freddy“ hat in wenigen Tagen Malawi verwüstet. Mindestens 326 Menschen sind ums Leben gekommen. Rettungskräfte suchen in Schlammmassen und Trümm...

In Blantyre in Malawi wird ein Opfer des Zyklons beerdigt.
In Blantyre in Malawi wird ein Opfer des Zyklons beerdigt.Thoko Chikondi/AP/dpa

Blantyre-Nach tagelanger Verwüstung durch den schweren Tropensturm „Freddy“ suchten Rettungskräfte am Donnerstag in Malawi weiter nach Leichen und Überlebenden. Der Zyklon hat in drei Ländern im südöstlichen Afrika - Malawi, Mosambik und Madagaskar - Behörden zufolge mehr als 400 Menschenleben gefordert. Am meisten betroffen ist das verarmte Malawi, wo die Katastrophenschutzbehörde am Donnerstag 326 Tote meldete - über 100 mehr als am Vortag bekannt.

Nach knapp einer Woche hatten die starken Regenfälle am Donnerstag in weiten Teilen des Landes endlich nachgelassen. Präsident Lazarus Chakwera besuchte Opfer in den am schlimmsten betroffenen Gebieten im Süden des Landes. Die Regierung verkündete eine zweiwöchige Staatstrauer - Flaggen wehten auf halbmast. „Es ist eine nationale Tragödie, die jeden von uns getroffen hat“, sagte Chakwera im Gespräch mit Bedürftigen außerhalb der Wirtschaftsmetropole Blantyre.

Allein in Malawi sind aufgrund des außergewöhnlich langanhaltenden Tropensturms „Freddy“ nach offiziellen Angaben knapp 1000 Menschen verletzt worden. Mindestens 83.000 Menschen sind laut der Regierung obdachlos geworden. Für die am stärksten betroffene Region, den Süden Malawis, hat die Regierung den Katastrophenfall ausgerufen.

Ganze Dörfer von Schlamm zerstört

Von Flutwassern und Erdrutschen zerstörte Straßen, Brücken und Eisenbahnschienen erschwerten die Arbeit von Rettungskräften. Die Telekommunikation und Stromversorgung sei in vielen Landesteilen unterbrochen, teilte die Regierung mit. Die Dörfer Manja und Soche wurden nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef komplett von einer Schlammlawine zerstört. Einwohner versuchten, sich über eine aus losen Baumstämmen gefertigte Brücke über reißende Fluten in höher gelegenen Gebieten in Sicherheit zu bringen. Auch zahlreiche Gesundheitszentren seien laut Unicef beschädigt worden. Schulen blieben diese Woche geschlossen.

Verzweifelte Einwohner suchten am Donnerstag in Trümmern nach vermissten Familienmitgliedern. Andere standen am Eingang von Leichenhallen Schlange, um Opfer zu identifizieren. „Es ist ein trauriger Tag für Malawi. Meine Nachbarn haben zehn Familienmitglieder verloren. Mehrere Leute, die ich kenne, werden vermisst“, sagte Thomas Bhanda aus der Gemeinde Chilobwe - das ist in der Nähe von Blantyre - der Deutschen Presse-Agentur.

Der letzte Moment, an den sich Kiam Jegwa erinnern kann, ist, wie eine Flut von Wasser in sein Haus in Blantyre eindrang. Als nächstes sei er im Zentralkrankenhaus der Stadt aufgewacht. „Ich kann mich an nichts erinnern. Ich hoffe, meine Familie findet mich bald“, sagte der 37-Jährige. Im Nebenzimmer sitzt die 25-jährige Jamia am Bett ihrer vierjährigen Tochter. Die beiden sind obdachlos, seitdem das Dach ihres Hauses einstürzte und ein fallender Dachbalken das Bein des Kindes verletzte. Wie viele Betroffene werden Jamia, die ihren Nachnamen nicht nennen will, und ihre Tochter zunächst in einer Schule oder Kirche Unterschlupf finden müssen.

Tote auch in anderen Ländern im Südosten Afrikas

Zyklon „Freddy“ hat seit vergangenem Freitag zum zweiten Mal innerhalb eines Monats im Südosten Afrikas eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Im benachbarten Mosambik starben nach Angaben von Präsident Filipe Nyusi mindestens 67 Menschen. Die Zahl könne sich demnach verdoppeln, da viele betroffene Gebiete noch nicht zugänglich seien. Auch im Inselstaat Madagaskar gab es mindestens 17 Tote.

Behörden in Malawi und Mosambik ermittelten am Donnerstag noch immer das genaue Ausmaß der Schäden, hieß es. „Die Situation ist extrem schlimm. Viele Menschen sind verwundet, vermisst oder tot. Die Zahlen werden in den kommenden Tagen zunehmen“, sagte Guilherme Botelho, Leiter der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen in Blantyre. Erschwerend hinzu komme ein verheerender Cholera-Ausbruch, der im Vorjahr von Tropensturm „Ana“ ausgelöst worden war und inzwischen elf Länder im Südosten Afrika betreffe, so Bothelho.

„Freddy“ hatte am 21. Februar erstmals Land erreicht - und zwar in Madagaskar. Von dort zog der Sturm weiter nach Mosambik und anschließend zurück über den Indischen Ozean. Am 11. März erreichte „Freddy“ zum zweiten Mal Mosambik sowie auch Malawi.

Der seit mehr als einem Monat wütende Sturm dürfte nach Angaben der Weltwetterorganisation (WMO) der langanhaltendste Zyklon seit Beginn der Wetteraufzeichnungen sein. „Freddy“ wurde am 6. Februar zum Zyklon erklärt. Der Süden Afrikas befindet sich derzeit in der Zyklon-Saison, die bis März oder April Regen und schwere Stürme mit sich bringen kann.