Bochum - SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat Steuerentlastungen für Gutverdienende eine klare Absage erteilt. „Das ist nicht nur unfinanzierbar, das ist unsolidarisch und unmoralisch“, sagte er am Sonnabend beim offiziellen Wahlkampfauftakt der SPD in Bochum. Scholz beschwor „Zusammenhalt und Solidarität“ in der Gesellschaft auch in der Zukunft. Das, was Deutschland durch die Pandemie getragen habe, müsse auch das Prinzip in vielen anderen Lebenslagen sein.

Der Bundesfinanzminister erinnerte daran, dass der Staat mit einem enormen finanziellen Aufwand in der Corona-Krise gegengesteuert habe. Am Ende des nächsten Jahres werden es 400 Milliarden Euro sein, sagte er. „Deshalb ist es etwas ganz, ganz Merkwürdiges, wenn jetzt in dieser Lage, nachdem wir das gemacht haben, nachdem wir auf diese Art und Weise zusammengehalten haben, einige der Meinung sind, Leute, die so viel verdienen wie ich oder noch viel mehr, die bräuchten jetzt mal ordentlich eine Steuerentlastung.“

Scholz: Mehr sozialer Wohnungsbau in Deutschland nötig

Außerdem sprach sich der SPD-Kanzlerkandidat für mehr sozialen Wohnungsbau in Deutschland aus. 400.000 Wohnung sollten jedes Jahr neu gebaut werden, davon etwa 100.000 geförderte, sagte Scholz beim Wahlkampfauftakt am Sonnabend in Bochum. „Das ist kein Hexenwerk, man darf nur nicht untätig bleiben.“

Zurzeit würden in Deutschland etwa 300.000 Wohnungen im Jahr gebaut, sagte Scholz. Die bisherigen Bemühungen seien aber nicht ausreichend, weil sich viele Menschen die Wohnungskosten nicht mehr leisten könnten. Etwa die Hälfte der Haushalte hat laut Scholz Anspruch auf eine geförderte Wohnung. „Das gehört doch dazu, wenn man ein gutes Leben führen will, dass man sich eine normale Wohnung leisten kann“, sagte der Politiker. Geförderter Wohnungsbau sei eine Zukunftsaufgabe für Deutschland.