Berlin - Inmitten der Debatte um mögliche Koalitionen nach der Bundestagswahl findet SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz lobende Worte für FDP-Chef Christian Lindner. Er kenne den Liberalen schon lange, sagte Scholz den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland vom Donnerstag. „Ich habe mit ihm auch wiederholt sehr vertrauliche Gespräche geführt. Man kann sich auf ihn verlassen.“

Gleichzeitig kritisierte Scholz die Entscheidung der FDP nach der Bundestagswahl 2017, die Koalitionsgespräche mit Union und Grünen über ein sogenanntes Jamaika-Bündnis platzen zu lassen. „Es war nicht klug, dass sich die FDP zu Beginn dieser Legislaturperiode davongemacht hat“, sagte er. „Aber es war auch keine große Regierungskunst, dass Union und Grüne untereinander eine Einigung erzielen wollten und die FDP nicht mehr richtig einbezogen hatten.“

Scholz fordert paritätische Ämtervergabe

Mit Blick auf das nächste Bundeskabinett forderte Scholz, die Posten jeweils zur Hälfte an Männer und Frauen zu vergeben. „Die paritätische Besetzung des Bundeskabinetts sollte für die gesamte Regierung gelten – nicht nur für den Teil, den die SPD stellen würde“, sagte er. „Das ist überfällig in Deutschland.“

Für den Fall, dass er Bundeskanzler wird, strebt Scholz nicht nach dem Vorsitz seiner Partei. „Ich glaube nicht an Gesetzmäßigkeiten, nach denen der Kanzler zugleich Parteivorsitzender sein müsse.“ Die aktuellen Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans sollten im Amt bleiben. „Unser Zusammenhalt ist sehr gut – die Zusammenarbeit klappt prima“, versicherte Scholz. Er hatte sich 2019 gemeinsam mit der Brandenburger Politikerin Klara Geywitz selbst für den SPD-Vorsitz beworben. Das Duo unterlag am Ende knapp Esken und Walter-Borjans.