Palma de Mallorca - Die Vorwürfe wiegen schwer. Ein Ermittlungsrichter wirft einer Gesundheitspolitikerin auf Mallorca „möglichen mutmaßlichen Amtsmissbrauch, illegale Inhaftierung und andere Tatbestände“ vor. Maria Antònia Font hatte für 270 spanische Schüler auf Abifahrt auf Mallorca eine von der Polizei beaufsichtigte Zwangsquarantäne angeordnet. Zuvor war es laut Behörden zu Hunderten von Corona-Infektionen gekommen.

Die Infektionen wurden erst nach der Rückkehr der ersten Schüler auf das spanische Festland festgestellt. Die alarmierten Behörden auf Mallorca hatten daraufhin die Einweisung von noch auf der Insel verbliebenen Schülergruppen angeordnet. Sie wurden einem Medienbericht zufolge in das Corona-Hotel Palma Bellver gebracht. Einige Schüler widersetzten sich und versuchten offenbar, die Insel auf eigene Faust zu verlassen.

Die zuständige Gesundheitsbehörde ordnete die Zwangseinweisung an, die auch von der Polizei durchgesetzt wurde. Daraufhin brach ein Sturm der Entrüstung los. Eltern von betroffenen Schülern zogen vor Gericht.

Schüler wurden mit Quarantäneschiff nach Spanien gebracht

Ein Ermittlungsrichter in Palma entschied wenig später, dass die Zwangsquarantäne „zumindest in dem Fall der negativ getesteten Schüler nicht ausreichend begründet“ wurde und deswegen aufzuheben sei. Die Balearen-Regierung organisierte daraufhin ein Quarantäne-Schiff, das viele der Schüler auf das spanische Festland brachte. 

In einer jetzt bekannt gewordenen Verfügung vertritt der Leiter des Ermittlungsgerichts Nummer Eins von Palma nun die Auffassung, dass eine gegen Maria Antònia Font gestellte Strafanzeige die „Annahme“ zulasse, dass es sich bei der Zwangsquarantäne „um mutmaßlichen Amtsmissbrauch, illegale Inhaftierung und andere Tatbestände“ gehandelt haben könnte. Er ordnete die Eröffnung eines Ermittlungsverfahrens gegen die für die öffentliche Gesundheitsversorgung zuständige Generaldirektorin an.