BerlinEtwa 500 Gegner der Corona-Politik von Bund und Ländern haben sich Sonntag in Prenzlauer Berg zu einem sogenannten „Schweigemarsch“ getroffen. Die Teilnehmer sind gegen 12.30 Uhr am S-Bahnhof Bornholmer Straße losgelaufen. Ihre Route führte über die Schönhauser Allee, die Danziger Straße und die Greifswalder Straße bis hin zum Alexanderplatz, wo der Marsch gegen 14.30 Uhr beendet wurde.   

Die Demonstranten hielten sich, so die Polizei, weitgehend an die Maskenpflicht. Vereinzelt seien Strafanzeigen geschrieben worden. Bei vorgezeigten Attesten, die von der Maskenpflicht befreien sollen, habe es den Verdacht gegeben, dass diese nicht echt seien, so die Polizei. Ursprünglich waren zur Demonstration 5000 Teilnehmer angemeldet gewesen.

Bei den Behörden wurden vier Gegen-Demos angemeldet, zu denen auch zahlreiche Menschen kamen. Sie machten sich entlang der Route lautstark bemerkbar - zum Beispiel mit Kochtöpfen oder Regenschirmen. Gelegentlich ertönten „Nazis raus“-Rufe. Auf Balkonen waren Transparente zu sehen unter anderem mit der Aufschrift: „Klar denken statt quer denken. Kein Platz für Corona-Leugner und Nazis.“ Es gab zahlreiche Sitzblockaden, die von der Polizei aufgelöst wurden. Rund 100 Beamte sind am Sonntagnachmittag immer noch Einsatz. 

Stand 15 Uhr haben sich etwa 300 Gegendemonstranten am Alexanderplatz in der Nähe der Weltzeituhr versammelt.

Foto: Eric Richard
Anwohner protestieren gegen den „Schweigemarsch“.

Aufrufe zu Kundgebungen wie den Berliner „Schweigemarsch“ gibt es an diesem Wochenende für mehrere deutsche Städte und Gemeinden, darunter auch Eberswalde und Cottbus. Die Initiatoren wollen nach eigener Aussage friedliche Demonstrationen. In Cottbus beispielsweise kamen 300 Menschen zum gewaltfreien Protest. Alles sei friedlich verlaufen, sagte Polizeisprecherin Ines Filohn. Die Demonstranten hätten sich auch an die Maskenpflicht gehalten. Sie waren am Nachmittag schweigend durch die Straßen gezogen.

Zu den Demo-Forderungen der „Corona-Skeptiker“ zählen mehr Selbstbestimmung im Kampf gegen die Pandemie, weniger Einschränkungen durch Regierungsverordnungen und ein Verzicht auf Impfungen. Die Initiatoren sprechen von „permanenten Angstkampagnen“ und äußern Zweifel daran, dass die Wissenschaft beim Thema Corona regierungsunabhängig arbeitet. Initiatoren der Gegendemonstrationen aus dem linken Spektrum sehen darin eine „Opferinszenierung“, an der sich bekannte Neonazis beteiligen würden. 

Am Mittwoch hatten am Brandenburger Tor mehrere Tausend Menschen gegen die Corona-Politik protestiert. Es gab 365 vorläufige Festnahmen, 77 Polizisten wurden verletzt. Über die Zahl verletzter Demonstranten wurde von offizieller Seite zunächst nichts gesagt. Zudem kam erstmals seit Jahren zum Einsatz von Wasserwerfern.