Bern - Nirgends in Europa sind die Krankenhäuser so voll mit Covid-19-Patienten wie in der Schweiz. Wie die Schweizer Zeitung Blick berichtet, seien die Intensivstationen inzwischen zu 80,3 Prozent ausgelastet, ein Drittel der Patienten sind wegen einer Covid-Erkrankung in Behandlung. Die meisten von ihnen seien nicht gegen das Coronavirus geimpft. Nun werden Stimmen laut, die eine andere Behandlung von Ungeimpften im Krankenhaus erwägen.

Der Berner Impfchef Gregor Kaczala warnte angesichts der steigenden Zahlen vor möglichen Triage-Entscheidungen in Krankenhäusern. „Sollte es so sein, befürchte ich schlechtere Karten für Nichtgeimpfte.“, sagte er gegenüber der Zeitung. Normalerweise gilt bei Triage der Grundsatz, dass zuerst behandelt wird, wer die besten Überlebenschancen hat. Alter und Gebrechlichkeit kommen bei dieser Abwägung zum Tragen.

Schweizer Arzt zu Triage bei Ungeimpften: „Wenn man im Leben A sagt, sagt man auch B“

Kaczala hält für den Fall einer Überlastung auf den Intensivstationen aber auch für möglich, dass künftig der Impfstatus berücksichtigt werden könnte. „Wenn man im Leben A sagt, sagt man auch B“, so der Mediziner.

„Die Ärzte werden dann zuerst jene behandeln, die die besten Chancen haben zu überleben“, sagte der Berner Gesundheitsdirektor Pierre Alain Schnegg zu einer möglichen Triage. Für ihn stehe dieses Prinzip nicht im Gegensatz zu einer zweitrangigen Behandlung von Ungeimpften, denn diese hätten vermutlich schlechtere Überlebenschancen.

Die Entwicklung auf den Intensivstationen hatte das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG) bereits als besorgniserregend eingestuft. „Wir müssen die aktuelle Lage als vierte Welle bezeichnen“, sagt Patrick Mathys, Leiter des Bereichs Krisenbewältigung und internationale Zusammenarbeit im BAG. Auch der Bundesrat warnt vor einer Überlastung der Kliniken.

Von einer Verschärfung der Corona-Auflagen sieht die Schweizer Regierung derzeit ab. Das Land hatte im Frühling als eines der ersten Länder in Europa seine Corona-Beschränkungen großzügig gelockert. Am Dienstag lag dort die Sieben-Tage-Inzidenz bei 100,2.