Dresden -  Traurige Bilanz nach einem sportlichen Erfolg: Der Aufstieg von Drittligist Dynamo Dresden in die 2. Bundesliga ist am Sonntag von schweren Ausschreitungen begleitet worden. Hooligans griffen etwa 20 Minuten vor Spielende am Stadion gezielt Polizisten und Polizeifahrzeuge an - zunächst mit horizontal abgeschossenen Stabraketen und anderer Pyrotechnik, wie ein dpa-Reporter berichtete.

Später flogen Flaschen und Steine auf Fahrzeuge und Beamte, die wegen der Gewaltbereitschaft immer wieder den Rückzug antreten mussten. Die Polizei meldete am Abend elf verletzte Polizisten, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. Auch bei den Fans von Dynamo gab es Verletzte. Eine genaue Bilanz stand zunächst noch aus.

Dresdens Polizeipräsident: „bestürzende Bilder“

„Die erschreckenden Szenen rund um das Rudolf-Harbig-Stadion haben gezeigt, dass die Deeskalationsstrategie der Polizei nur dann funktioniert, wenn beide Seiten das auch wollen“, erklärte Dresdens Polizeipräsident Jörg Kubiessa. Die Polizei habe auf Kommunikation gesetzt. „Als dann aber mindestens 500 Gewaltbereite unsere Polizeibeamten im Großen Garten unvermittelt und massiv mit Pyrotechnik, Flaschen sowie Steinen angriffen, fand diese Strategie zwangsläufig ihr Ende.“ Es sei bedauerlich, dass der sportliche Erfolg Dynamo Dresdens von „bestürzenden Bildern“ überschattet wird.

Nach Angaben der Polizei waren Beamte bereits seit den Morgenstunden rund um das Stadion präsent. „Wir haben das Stadion zur Festung gemacht“, sagte Polizeisprecher Thomas Geithner. Zur Mittagszeit hätten sich mehr als 4000 Fußballfans am nahe gelegenen Straßburger Platz und an der Hauptallee im Großen Garten eingefunden. Dabei sei wiederholt Pyrotechnik abgebrannt worden. Per Lautsprecher habe man die Menge mehrfach aufgefordert, den Bereich zu verlassen und per Video das Geschehen dokumentiert, um Rechtsverstöße zu ahnden.

30 Menschen in Gewahrsam genommen

Aktuell hat die Polizei 17 Ermittlungsverfahren unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz eingeleitet. Im Zusammenhang mit dem Einsatz sind bisher 30 Leute ins Gewahrsam gekommen, hieß es.

Nach Angaben der Polizei wurden auch Medienvertreter attackiert, darunter ein Kamerateam. Auch ein 17-Jähriger sei von Unbekannten geschlagen und getreten worden: „Der junge Mann war dort mit einem Fotoapparat unterwegs und dokumentierte die Situation. Auch er war möglicherweise journalistisch tätig.“ Die Polizei bat andere betroffene Journalisten, sich zu melden und Anzeige zu erstatten.

Polizeifahrzeuge beschädigt: Reifen zerstochen, Spiegel abgetreten

Laut Polizei sind während des Einsatzes mindestens ein Dutzend Polizeifahrzeuge beschädigt worden. Unter anderem wurden Reifen zerstochen und Spiegel abgetreten. Der Gesamtschaden steht zunächst nicht fest. Etwa 1100 Beamte waren im Einsatz. Die Dresdner Polizei wurde von Kollegen aus Brandenburg, der sächsischen Bereitschaftspolizei und der Bundespolizei unterstützt.

Polizei hatte Sicherheitsbedenken angemeldet

Derartige Szenen hatte die Polizei eigentlich vermeiden wollen. Weil für Samstag in Dresden eine Demo von Anhängern der „Querdenken“- Bewegung angemeldet worden war, hatte die Polizei Sicherheitsbedenken angemeldet. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verlegte schließlich das Dynamo-Spiel. Damit sollte auch ein mögliches Zusammentreffen von Fußballfans und Corona-Demonstranten vermieden werden.

Am Samstag gelang es der Polizei mit einem Großaufgebot, das Demonstrationsverbot für Gegner der Corona-Maßnahmen durchzusetzen. Überall auf Plätzen und Straßen in der Innenstadt waren Beamte präsent, Straßen rund um den Landtag waren gesperrt. Laut Polizei waren auch hier über 1000 Beamte im Einsatz.

Einer Gruppe von acht Leuten wurden unterhalb des Japanischen Palais Platzverweise erteilt, sie hatten die Corona-Auflagen nicht eingehalten. Später betraf das auch eine Gruppe von 22 Radfahrern, die den Kritikern von Corona-Maßnahmen zugerechnet wurden.

In Dresden werden regelmäßig Demos der Initiative „Querdenken 351“ angemeldet. Diese will damit gegen die Corona-Maßnahmen protestieren. Die Stadt untersagte die Kundgebungen am Samstag wie schon in der Vergangenheit mit Verweis auf die Infektionsgefahr und bisherige Auftritte von Anhängern der „Querdenker“-Bewegung. Fast alle von ihnen missachteten die Hygieneregeln demonstrativ. Gerichte hatten das neuerliche Versammlungsverbot bestätigt.