Berlin - Im Corona-Jahr 2021 haben wieder viele Menschen seelsorgerische oder psychologische Hilfe gesucht. Bei Berlins Senioren-Hotline des Vereins Silbernetz sind laut der Vorsitzenden Elke Schilling wieder mehr Anrufe eingegangen als 2020. Besonders mit dem Beginn der dunklen Jahreszeit und der Verschärfung der pandemischen Lage sei die Anruferzahl stetig gestiegen – „aktuell sind wir so bei 160 bis 180 Anrufern täglich“, sagte Schilling. Im Sommer seien es noch 120 gewesen. Sie könne nicht mehr genau nachvollziehen, wie viele es im Vorjahr waren, „aber es waren definitiv deutlich weniger“.

Schilling berichtete von einem erhöhten Bedarf an ehrenamtlichen Helfern aufgrund der gestiegenen Anruferzahl. In diesem Jahr spendeten rund 60 Ehrenamtliche ihre Zeit der Senioren-Hotline. Im vergangenen Jahr seien es noch rund 50 gewesen. Laut Schilling beschäftigten die Menschen ganz unterschiedliche Themen. Viele seien jedoch auch wegen der Pandemie einsam gewesen.

Telefonseelsorge: Isolation durch Pandemie verstärkt Gefühl von Einsamkeit

Bei der Kirchlichen Telefonseelsorge in Berlin seien im jetzt vergangenen Jahr wieder rund 27.000 Anrufe eingegangen, sagte ihr Leiter Uwe Müller. Im Jahr davor seien es ungefähr genauso viele Anrufe gewesen. Das Telefon klingele weiterhin durchgehend – „ob Tag oder Nacht“. Aber: Die Menschen seien nicht mehr so ängstlich wie noch am Anfang der Pandemie und das Thema Corona sei nicht mehr so aufgeladen, berichtete Müller.

Trotzdem blieben einige Probleme auch 2021 bestehen. Die mit der Pandemie verbundene Isolation verschlimmerte etwa das Gefühl der Einsamkeit, wie Müller sagte. Außerdem riefen Menschen wegen Spannungen in der Familie an, die etwa das Lernen und Arbeiten von zu Hause verursachten. Bereits im vergangenen Corona-Jahr 2020 richtete die Kirchliche Telefonseelsorge zusätzlich ein spezielles Corona-Seelsorgetelefon ein, um der erhöhten Anruferzahl gerecht zu werden.

Psychotherapeuten: Viele haben Probleme, einen Therapieplatz zu finden

Auch psychotherapeutische Einrichtungen berichten von vielen Anfragen. „Die Nachfrage nach ambulanter Psychotherapie ist nach wie vor erheblich“, teilte Gebhard Hentschel mit, Bundesvorsitzender der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung (DPtV). Hauptsächlich seien die Menschen von ängstlichen und depressiven Störungen betroffen.

Die Ursachen sind laut Hentschel vielfältig, aber die Bedingungen der Corona-Pandemie wie etwa die Kontaktbeschränkungen gehören dazu. „Wir Menschen sind soziale Wesen, wir benötigen soziale Kontakte.“ Bei Kindern und Jugendlichen nahmen demnach besonders Ess- sowie Schlafstörungen deutlich zu. Trotzdem sei es aufgrund der „rigorosen Haltung“ der Krankenkassen zur Kostenerstattung einer Therapie für Kassenpatienten schwierig gewesen, einen Therapieplatz zu finden.