Rom - Nach dem Seilbahnunglück in Italien hat eine Richterin drei zunächst festgenommene Mitarbeiter des Seilbahnbetreibers aus der Untersuchungshaft entlassen. Der Servicemanager der Seilbahngesellschaft wurde stattdessen unter Hausarrest gestellt, der technische Leiter und der Unternehmenschef auf freien Fuß gesetzt. Richterin Donatella Banci Bonamici sehe einen „totalen Mangel an Beweisen“ gegen letztere zwei, berichtete die Zeitung Corriere della Sera am Sonntag.

Der Servicemanager habe versucht, seine Vorgesetzten verantwortlich zu machen, nachdem er selbst „mit totaler Missachtung für Menschenleben, mit verblüffender Sorglosigkeit“ gehandelt habe, zitierte das Blatt aus der Entscheidung der Richterin. Staatsanwältin Olimpia Bossi betonte, die Ermittlungen gegen alle drei Verdächtigen liefen weiter.

Bei dem Seilbahnunglück am Lago Maggiore waren am Pfingstsonntag 14 Menschen ums Leben gekommen. Eine Seilbahn-Kabine war kurz vor Erreichen der Gipfelstation am Berg Mottarone abgestürzt, nachdem ein Seilbahn-Kabel gerissen war.

Notbremse der Seilbahn offenbar absichtlich abgeschaltet

Den Ermittlungen zufolge war das Sicherheitsbremssystem der Seilbahn offenbar absichtlich abgeschaltet worden, um nach der coronabedingten monatelangen Schließung einen Betriebsausfall wegen technischer Probleme zu vermeiden.

Der Zustand des bei dem Gondel-Absturz in Norditalien schwer verletzten Jungen bessert sich unterdessen weiter. Der Fünfjährige habe zum ersten Mal leichte Nahrung zu sich genommen, teilte das Kinderkrankenhaus in Turin am Sonntagabend mit. Der israelische Junge bleibe vorsichtshalber weiter auf der Intensivstation. Seine Tante und seine Großmutter seien bei ihm. Der Junge hatte als Einziger das Seilbahnunglück überlebt. Er verlor dabei seine Eltern, seinen Bruder und seine Urgroßeltern.

Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: Leitner, dpa