In Deutschland attackieren Rechtsextreme nach Medienberichten regelmäßig Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Seit 2016 habe es mehr als hundert solcher Übergriffe auf die Gedenkkultur gegeben, berichtete die Süddeutsche Zeitung am Montag unter Berufung auf gemeinsame Recherchen mit dem NDR. Damit gebe es im Schnitt mehr als einen solcher Vorfälle pro Monat.

Hassparolen, Hitlergruß: So weit gehen die Übergriffe

Die Übergriffe reichten von Schmähungen über Sachbeschädigung bis hin zu Bedrohung und Volksverhetzung, berichtete die Süddeutsche Zeitung. Rechtsextreme pöbelten in Gedenkstätten, leugneten den Holocaust und fotografierten sich in früheren Konzentrationslagern mit dem Hitlergruß. Zudem würden Informationstafeln und Gedenksteine mit Hakenkreuzen und Hassparolen beschmiert oder Stolpersteine aus dem Asphalt gebrochen und Mahnmale zerstört.

„Würden wir aus jedem Übergriff in der Gedenkstätte eine Pressemitteilung machen, müssten wir wahrscheinlich alle zwei, drei Wochen eine Pressemitteilung veröffentlichen“, sagte Jens-Christian Wagner, Leiter der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, laut NDR. Er sprach sich für eine zentrale Erfassung solcher Vorfälle in Deutschland aus, die es bisher nicht gibt.

Die Auswertung von SZ und NDR bezieht sich auf Gedenkorte, die an die nationalsozialistischen Massenmorde an den Juden, aber auch an die Ermordung von Zwangsarbeitern, Sinti und Roma, Sozialdemokraten, Homosexuellen, Kommunisten und Christen erinnern. NDR und SZ nutzten für ihre Zusammenstellung Berichte in Zeitungen, Protokolle von Landtags- und Stadtratssitzungen sowie Gespräche mit Gedenkstättenmitarbeiterinnen und -mitarbeitern.

Viele Vorfälle bleiben im Dunkeln

Einen Anspruch auf Vollständigkeit gebe es nicht, hieß es in dem NDR-Bericht. Viele Vorfälle blieben wegen der fehlenden zentralen Erfassung wahrscheinlich im Dunkeln.