Berlin - Erstmals seit der Bundeswehr-Luftbrücke im August hat die Bundesregierung deutsche Staatsbürger, ehemalige Ortskräfte und weitere schutzbedürftige Afghanen mit einer Chartermaschine aus Kabul evakuiert. Insgesamt seien inklusive der Familienangehörigen 329 Menschen außer Landes gebracht worden, teilte das Auswärtige Amt am Mittwoch auf Twitter mit. Sie wurden zunächst nach Katar gebracht. Das Ministerium dankte der Regierung des Golfemirats für die Unterstützung.

Nach der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan hatte die Bundeswehr in elf Tagen mehr als 5300 Deutsche, Afghanen und Staatsbürger anderer Länder mit Militärtransportern ausgeflogen. Kurz vor dem Abzug der letzten US-Soldaten aus Afghanistan endete die Aktion.

384 Menschen auf Flügen anderer Länder aus Afghanistan gebracht

Die Evakuierung geht seitdem nur noch schleppend voran. Anfang Oktober hatten knapp 25.000 Afghanen eine Aufnahmegenehmigung für Deutschland, darunter 17.800 ehemalige Ortskräfte von Bundeswehr oder Bundesministerien inklusive ihrer Familienangehörigen. Seit dem Ende der Luftbrücke schafften es bisher aber nur etwa 2000 Menschen mit deutscher Hilfe außer Landes – die meisten davon auf dem Landweg in Nachbarländer wie Usbekistan oder Pakistan. Mehrere hundert weitere Personen, die auf der Ausreiseliste stehen, verließen das Land auf eigene Faust.

Zudem wurden nach Angaben des Auswärtigen Amts bis zum ersten eigenen Charterflug der Bundesregierung 384 Menschen auf Flügen anderer Länder außer Landes gebracht. Auf den ersten eigenen Charterflug hatte das Auswärtige Amt lange hingearbeitet. Erschwert wird die Evakuierung dadurch, dass es seit der Machtübernahme der Taliban keine deutsche Botschaft in Kabul mehr gibt.

Das Verteidigungsministerium stufte nun auch 13 mit Werkverträgen beauftragte afghanische Fluglotsen als Ortskräfte ein. Diese werden nun in das Ortskräfteverfahren aufgenommen, mit dem ein Schutz in Deutschland möglich wird. Bei genauer Prüfung sei festgestellt worden, dass sich hinter den Werkverträgen Beschäftigungsverhältnisse verbergen, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Mittwoch in Berlin. „Das gibt uns auch die Möglichkeit, im Rahmen unseres Ermessensspielraums die Fluglotsen zu Ortskräften zu erklären und in das Ortskräfteverfahren mit aufzunehmen.“