Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) für Montag nach Kiew eingeladen. In einem Videointerview mit dem Politikinstitut Chatham House in London sagte Selenskyj am Freitag: „Er ist eingeladen, in die Ukraine zu kommen, er kann diesen sehr wichtigen politischen Schritt machen und am 9. Mai nach Kiew kommen.“ An diesem Tag wird in den ehemaligen Sowjetrepubliken der Sieg über Nazi-Deutschland 1945 gefeiert.

In einem Telefonat mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte Selenskyj am Donnerstag den Bundespräsidenten und die gesamte Bundesregierung in die Ukraine eingeladen, wie aus dem Präsidialamt in Berlin verlautete. Zuvor war das Verhältnis angespannt gewesen, weil Steinmeier in der Ukraine offensichtlich wegen seiner früheren Russland-Politik nicht erwünscht war. Nach Angaben von Scholz will nun als erstes Mitglied der Bundesregierung Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) demnächst in die Ukraine reisen.

In Moskau findet zum Feiertag am Montag eine Militärparade auf dem Roten Platz statt. Zudem wird erwartet, dass sich Präsident Wladimir Putin in seiner Rede über den Krieg in der Ukraine äußert.

Selenskyj: „Man kann nicht ein bisschen gut und ein bisschen böse sein“

Selenskyj verwies in dem Videointerview am Freitag auf die Spannungen zwischen der Ukraine und Deutschland und sagte: „Manchmal müssen wir in der Geschichte bestimmte Schritte zur Einheit machen, auch wenn es in bestimmten Beziehungen eine gewisse Kälte gibt.“ Selenskyj: „Man kann nicht ein bisschen gut und ein bisschen böse sein“, sagte er. Einerseits würden Sanktionen verhängt, gleichzeitig aber auch Verträge mit Russland unterschrieben. „Das ist nicht richtig. Das ist Heuchelei.“