Selenskyjs Ex-Sprecherin: Das war sein größter Fehler

Julia Mendel, die zwei Jahre lang eine der engsten Vertrauten des ukrainischen Präsidenten war, hat sich nun über ihren damaligen Chef geäußert. 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj 
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj dpa/Ukrainian Presidential Press

Die ehemalige Sprecherin von Wolodymyr Selenskyj hat in einem Interview mit der Bild-Zeitung verraten, was der größte Fehler des ukrainischen Präsidenten war. Wie bereits von vielen Landsleuten und Experten kritisiert, habe Selenskyj die Menschen zu Beginn des Krieges viele zu lange im Unklaren gelassen - und geheime Informationen zurückgehalten.

Julia Mendel, die zwei Jahre lang eine der engsten Vertrauten des ukrainischen Präsidenten war, sagte der Bild: „In der Ukraine gibt es natürlich auch Kritik. Und Leute sagen: ‚Wenn er Bescheid wusste, hätte er es den Menschen sagen müssen, damit sie sich in Sicherheit hätten bringen können.‘ Wenn Sie mich als Ukrainerin fragen, was ich getan hätte, würde ich sagen, es war sehr unfair, den Leuten nichts zu sagen. Dieses Verhalten beinhaltete viel Ungerechtigkeit. Wenn Sie mich fragen, was ich als Anführer getan hätte, dann weiß ich es nicht. Niemand weiß, wie er oder sie sich verhalten hätte. Ich weiß nicht, welche Informationen sie hatten.“

Selenskyj soll Kriegswarnungen verschwiegen haben

Bereits Ende August hatte die Berliner Zeitung berichtet, dass viele Ukrainer Selenskyj vorwerfen, die Bevölkerung getäuscht und belogen zu haben, weil er die Kriegswarnungen der US-Geheimdienste verschwiegen haben soll. Die bekannte Dramatikerin Kateryna Babkina sagte damals dem Handelsblatt: „Das ist kein Versehen, kein Fehler, kein unglückliches Missverständnis, keine strategische Fehleinschätzung – das ist ein Verbrechen.“ Mendel bestätigte nun, dass „er nachrichtendienstliche Informationen hatte“. 

Mendel, die ein Buch über den ukrainischen Präsidenten schrieb, äußerte sich auch über dessen langen Weg vom Komiker zum obersten Befehlshaber. „Die Leute, die Selenskyj an die Macht brachten, hatten eine sehr postsowjetische Einstellung und waren der Meinung, die Medien sollten kontrolliert werden. Sie wollten den Präsidenten beeinflussen. Der Einfluss dieser sowjetischen Leute war sehr groß. Ich kämpfte dagegen an. Und wenn man Selenskyj die Logik hinter etwas erklärt, stimmt er zu. Er wuchs in der Sowjetunion auf, aber er bemühte sich immer um die besten Lösungen. Zudem wurde Selenskyj immer unterschätzt, weil er vor allem als Komiker bekannt war. Als ich anfing, mit ihm zu arbeiten, war er kaum für etwas anderes bekannt. Dabei ist er sehr ernsthaft. Ich betone immer, dass er studierter Anwalt ist.“