Erste Bilder von Lecks in Nord-Stream-Pipeline aufgetaucht

Eine Unterwasserkamera konnte nun die Schäden an der Pipeline Nord Stream 1 dokumentieren. 

Die Lecks in den Nord-Stream-Pipelines sorgten für Aufregung.
Die Lecks in den Nord-Stream-Pipelines sorgten für Aufregung.AFP/Dänisches Verteidigungsministerium

Ende September waren nach Angaben von Behörden insgesamt vier Unterwasser-Lecks an den beiden Nord-Stream-Pipelines festgestellt worden, aus denen tagelang enorme Mengen an Gas austraten. Die Lecks befinden sich in der Nähe der Ostseeinsel Bornholm teils in dänischen, teils in schwedischen Gewässern.

Die EU und die Nato gehen von Sabotage aus. Der Kreml hatte Spekulationen über eine russische Tat als „dumm und absurd“ zurückgewiesen. Der russische Präsident Wladimir Putin selbst hatte von einem „internationalen Terroranschlag“ geredet und angedeutet, dass aus seiner Sicht die USA dahinterstecken könnten.

Aufnahmen zeigen kaputte Gasleitung auf dem Ostseeboden

Die schwedische Boulevardzeitung Expressen hat nun Bilder auf Twitter veröffentlicht, die das große Loch in der Pipeline Nord Stream 1 zeigen. Meerwasser strömt ein und aus. Wer genau hinter der Attacke steht, ist noch unklar.

Laut Expressen zeigen die Aufnahmen, dass ein mindestens 50 Meter langer Abschnitt einer Gasleitung in 80 Metern Tiefe fehlt. Einem dänischen Experten zufolge muss eine Explosion gewaltig sein, um solche Zerstörung zu verursachen.

An einigen Stellen der Leitung sei das Metall stark verformt, an anderen gebe es scharfe Kanten und Risse, schrieb Expressen am Dienstag. Die Aufnahmen zeigen auch lange Furchen im Meeresboden. „Nur extreme Kraft kann so dickes Metall auf diese Weise verbiegen“, sagte Trond Larsen von der Firma Blueeye Robotics, der die Unterwasserkamera für die Zeitung gelenkt hat.

Die schwedische Zeitung Expressen hat Bilder von der zerstörten Nordstream-Pipeline veröffentlicht.
Die schwedische Zeitung Expressen hat Bilder von der zerstörten Nordstream-Pipeline veröffentlicht.Expressen

„Wenn es die Leitung ist, die am Meeresboden gelegen hat, dann sieht es aus, als sei sie von der Sprengung angehoben worden“, kommentierte der Militäranalytiker Jens Wenzel Kristoffersen die Aufnahmen am Dienstag im dänischen Fernsehen. Weiter erklärte er: „Das ist nichts, was man mit einem Hobby-Silvesterböller macht. Das muss eine gewaltige Explosion gewesen sein, sonst kann man es nicht so stark verbiegen, wie es dort unten geschehen ist.“ Nach früheren Angaben Dänemarks und Schwedens hatten Seismologen in der Nähe der Lecks Erschütterungen mit einer Stärke von 2,3 und 2,1 gemessen, was vermutlich einer Sprengladung von mehreren Hundert Kilo entspreche.

Die schwedischen Behörden haben die beiden beschädigten Nord-Stream-Leitungen in schwedischer Wirtschaftszone bereits untersucht und Beweismaterial gesichert. Auch die dänischen Behörden ermitteln, weil zwei der Lecks nahe der Ostseeinsel Bornholm in dänischer Wirtschaftszone liegen.

Dänische Polizei berichtet von „kräftigen Explosionen“

In Dänemark bestätigte die Polizei am Dienstag, dass die Schäden an den Nord-Stream-Leitungen in dänischer Wirtschaftszone laut ihren Untersuchungen durch ebensolche „kräftige Explosionen“ entstanden seien. Gemeinsam mit dem dänischen Inlandsnachrichten- und Sicherheitsdienst PET will die Kopenhagener Polizei nun für die weiteren Untersuchungen ein Ermittlerteam bilden.

„Es ist noch zu früh, um etwas darüber zu sagen, in welchem Rahmen die internationale Zusammenarbeit mit unter anderem Schweden und Deutschland stattfinden wird“, hieß es in einer Mitteilung. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums hatte am Montag in Berlin gesagt, für die Untersuchung der Explosionen an den Ostseepipelines werde es keine gemeinsame Ermittlungsgruppe geben. Erkenntnisse würden aber trotzdem international geteilt.

Ende September waren nach Explosionen in der Nähe der Ostseeinsel Bornholm vier Lecks in den Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 entdeckt worden. Beide Pipelines waren zu diesem Zeitpunkt nicht in Betrieb, enthielten aber Gas, das tagelang ausströmte. Die EU und die Nato gehen von Sabotage aus.