Einsatzkräfte der Polizei gehen in Minsk gegen demonstrierende Rentner vor.
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MinskBei Protesten von Senioren gegen den Machthaber Alexander Lukaschenko in Belarus (Weißrussland) sind nach Angaben des Innenministeriums landesweit 186 Menschen festgenommen worden. Die Menschen seien wegen Teilnahme an nicht genehmigten Massenveranstaltungen und wegen anderer Verstöße in Gewahrsam genommen worden, teilte das Ministerium am Dienstag mit. 

Menschenrechtler hatten zuvor von mehr als 70 Festgenommenen berichtet. Darunter seien auch ein 13-Jähriger sowie weitere Minderjährige gewesen, wie das Menschenrechtszentrum Wesna in Minsk mitteilte.

Mit Unterstützung jüngerer Lukaschenko-Gegner hatten die Senioren, die sich lange bei den Protesten zurückgehalten hatten, am Montag gegen den Staatschef demonstriert. Uniformierte setzten Blendgranaten und Tränengas gegen die friedlichen Demonstranten ein. Wesna zufolge gab es Verletzte.

Mehr als zwei Monate nach Beginn der größten Proteste in der jüngeren Geschichte der Ex-Sowjetrepublik hatte der 66-jährige Lukaschenko die Gangart gegen seine Kritiker zuletzt wieder deutlich verschärft. Angesichts des Vorgehens gegen die Rentner sprach die Bürgerrechtlerin Swetlana Tichanowskaja von einem neuen Tiefpunkt.

„Das ist ein Akt der Gewalt gegen jene, die viele Jahre als die loyalsten Wähler galten“, sagte die 38-Jährige, die von ihrem Exil im EU-Land Litauen aus immer wieder zu Protesten aufruft. Es sei offensichtlich, dass das Regime nur noch sich selbst erhalte. Tichanowskaja rief das Volk dazu auf, sich selbst zu schützen und die Sache zu einem Ende zu führen – bis zu neuen Wahlen. Sie kündigte am Dienstag einen Generalstreik im Land an, sollten nicht alle Gefangenen innerhalb der nächsten zwei Wochen in Freiheit kommen.

Die Demonstranten in Minsk kamen mit Blumen, die Sicherheitskräfte mit Schlagstöcken.
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In Belarus kommt es seit der umstrittenen Präsidentenwahl am 9. August zu Protesten und Streiks gegen den autoritären Staatschef. Auslöser sind Vorwürfe der Wahlfälschung. Lukaschenko hatte sich mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Seine Gegner sehen hingegen Tichanowskaja als die wahre Siegerin. Die EU-Staaten und weitere Länder erkennen Lukaschenko nicht mehr als Präsidenten an. Bei den Protesten gab es mehrere Tote, Hunderte Verletzte und Tausende Festnahmen.