Serben protestieren erneut im Kosovo: Tausende auf der Straße

Die ethnischen Serben im Kosovo sind unzufrieden mit der Politik des serbischen Präsidenten Vucic. Auch als Reaktion auf Schüsse auf zwei Serben ziehen sie am Sonntag durch die Straßen.

Eine Barrikade in Mitrovica, Kosovo im Dezember 2022.
Eine Barrikade in Mitrovica, Kosovo im Dezember 2022.imago/Vudi Xhymshiti

Am Sonntag findet erneut ein Bürgerprotest der serbischen Minderheit im Kosovo statt. Wie die serbische Zeitung Danas berichtet, seien die Demonstrationen einen Tag vorverlegt worden. Die Organisatoren hätten angegeben, der Protest sei auf Wunsch der Bürger verschoben worden, damit sie am Montag arbeiten könnten. Auch als Reaktion auf Schüsse auf zwei Serben im Süden des Kosovos demonstrieren einem Bericht des Online-Nachrichtenportals Kosovo Online aktuell Tausende Menschen in Strpce und in anderen Teilen des Landes. Die Demonstranten in Strpce sprachen sich für ein friedliches Zusammenleben mit den albanischen Nachbarn aus, berichtete das kosovo-serbische Nachrichtenportal „radiokim.net“.

Der Kommissar der Bewegung zur Verteidigung des Kosovo und Metohija, Nebojša Jovic, hatte zuvor erklärt, dass der Protest sich gegen den „Hochverrat“ des serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic und gegen „Folter, Prahlerei, unkontrollierte Bereicherung, Drohungen und Erpressung" richten würde. Jovic sagte weiter, „Bürger des serbischen Mitrovica“ würden mit ihrem Protest signalisieren, dass sie sich nicht mehr von Aleksandar Vucic mit seiner „pro-albanischen und schädlichen Politik für Serben im Kosovo“ vertreten lassen würden.

Zwei Menschen bei Strpce angeschossen

Im Süden des Kosovos sind am Freitag zwei ethnische Serben durch Schüsse aus einem Auto verletzt worden. Die Polizei nahm kurz danach den mutmaßlichen Schützen, einen 33-jährigen Soldaten der Kosovo-Sicherheitskräfte, fest, berichteten Medien in Pristina am Samstag unter Berufung auf die Polizei. Die beiden Opfer – ein 21-jähriger Mann und ein 11-jähriger Junge – wurden im Krankenhaus operiert und sind außer Lebensgefahr. Der Verdächtige kam in Untersuchungshaft, er wird des versuchten Mordes beschuldigt.

Die kosovarische Präsidentin Vjosa Osmani und Ministerpräsident Albin Kurti verurteilten die Tat. Der Vorfall ereignete sich im Dorf Gotovusa nahe der südkosovarischen Stadt Strpce. Am Freitag hatten die orthodoxen Serben gemäß ihrem Kalender den Heiligen Abend gefeiert. Im Gebiet um Strpce leben mehrheitlich Serben.

Grenzkonflikt zwischen Serbien und Kosovo hatte sich zuvor entspannt

Zwischen Serben und Albanern kommt es vor allem im Norden rund um die geteilte Stadt Mitrovica immer wieder zu Spannungen, die von Belgrad geschürt werden. Ende 2022 hatten militante Serben an einem Dutzend Stellen im Norden des Kosovos Barrikaden errichtet, die unter anderem die Zufahrtswege zu zwei Grenzübergängen nach Serbien versperrten. Der serbische Präsident Aleksandar Vucic hatte schließlich den Abbau der Barrikaden angekündigt. „Die Barrikaden werden entfernt, aber das Misstrauen bleibt“, erklärte er laut dem staatlichen serbischen Fernsehen nach einem Treffen mit Vertretern der serbischen Minderheit im Kosovo.

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung im Kosovo besteht aus Albanern. Die ehemalige serbische Provinz hatte sich 2008 für unabhängig erklärt. Serbien hat diesen Schritt nicht anerkannt und beansprucht das Territorium des Kosovos für sich. Zwischenfälle in den serbischen Siedlungsgebieten außerhalb der Mitrovica-Region sind eher selten. (mit dpa)