Eine Brandenburgerin ist von einer Internetbekanntschaft um mehrere Tausend Euro gebracht worden. Die 35-jährige Frau aus Neuruppin hatte Anfang des Jahres 2022 auf Instagram einen Mann kennengelernt, der sich über Wochen mit einfühlsamen Texten in ihr Vertrauen schlich. Als der Mann irgendwann nicht mehr das bekam, was er wollte, erpresste er sie mit ihren Nacktbildern. Diese perfide Masche kommt nach Angaben der Polizei so häufig vor, dass es dafür längst einen Begriff gibt: „Sextortion“, ein Kofferwort aus „Sex“ und „extortion“, dem englischen Wort für Erpressung.

Der Fall aus Brandenburg ist nur einer von vielen. Er zeigt jedoch ziemlich gut, wie die Täter vorgehen, sagt ein Ermittler. Die Profile in den sozialen Medien sind optisch sehr ansprechend. Hübsche Porträtbilder, schöne Körper – so etwas wirkt verlockend. Auch die 35-jährige Brandenburgerin fiel darauf rein. „Im Laufe der Zeit ergab sich eine Art Beziehung zwischen beiden, obwohl sie sich wohl nie trafen“, erklärt Dörte Röhrs, Sprecherin der Polizeidirektion Nord.

Geschickt tischte der Mann ihr Legenden auf, wobei er erst kleinere und später größere Geldbeträge von der Brandenburgerin forderte. „Dabei erklärte er die Geldnot jedes Mal mit einer überzeugenden Geschichte“, so die Polizeisprecherin. Damit der Schwindel nicht zu offensichtlich wird, fragen die Täter oder Täterinnen meistens erst nach Kleinbeträgen. Sie geben dann vor, dringend Geld für Reparaturen oder Zugtickets zu brauchen, meint ein Ermittler. Dabei erzählen sie den Opfern, dass sie sie dann endlich besuchen kommen könnten. Im Fall der Frau aus Brandenburg ergaunerte der vermeintliche Liebhaber so fast 3000 Euro.

Als der Mann Nacktbilder veröffentlichen wollte, ging die Frau zur Polizei

Während der teilweise anzüglichen Chats sendete die Brandenburgerin auch intime Bilder an den Täter. Als der Mann immer mehr Geld wollte, wurde die Frau stutzig und verweigerte weitere Auszahlungen. Daraufhin versuchte er, sie zu erpressen. Er drohte, Nacktbilder der Frau im Internet zu veröffentlichen. Die 35-Jährige ließ sich davon nicht beirren. Sie nahm all ihren Mut zusammen und ging zur Polizei. „Wir haben erste Ermittlungsansätze über das Profil des Mannes. Allerdings melden sich die Betrüger meist nie mit ihren echten Personalien an“, sagt Röhrs der Berliner Zeitung.

Spezialisten für Cyberkriminalität warnen vor dem Phänomen „Sextortion“. Die Täterinnen und Täter nutzen dabei fast immer anzügliches Foto- und Videomaterial. Dabei bedienen sie sich zweier unterschiedlicher Maschen: Bei der ersten Vorgehensweise wird Kontakt über die gängigen sozialen Netzwerke aufgenommen. „Das sind häufig ganz normale Freundschaftsanfragen, die man erhält – vermeintlich von einer attraktiven Person. Im Anschluss macht der Täter dem Opfer dann zunächst Komplimente zum Aussehen und beginnt zu flirten“, erklärt Hans Jürgen Hülsbeck, im Landeskriminalamt NRW für das Sachgebiet „Verhaltensorientierte Prävention im Fachbereich Cybercrime“ zuständig.

Erotischer Chat: Irgendwann kommt die Frage nach der Webcam

Das Ziel sei zunächst ein erotischer Chat mit dem Opfer, in dessen Verlauf die oder der Betroffene auch Nacktbilder oder -videos von seinem Gegenüber geschickt bekommt. Hülsbeck: „Irgendwann kommt dann die Frage, ob man sich nicht live per Webcam weiter unterhalten möchte. Das Opfer soll dazu gebracht werden, sich vor der Kamera auszuziehen oder sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen. Der Täter nimmt das Ganze auf und erpresst das Opfer im Anschluss damit.“ So wird etwa gedroht, das aufgenommene Video an die gesamte Freundesliste zu senden. Das ist leicht möglich, wenn die Freundschaftsanfrage zu Beginn bestätigt wurde.

In der Regel nutzen die Kriminellen dafür Fake-Profile. In den meisten Fällen laden sie Fotos und Videos von attraktiven Männern oder Frauen hoch. Die Opfer wissen so gut wie nie, wer wirklich am anderen Ende der Leitung sitzt, so der Präventionsexperte.