Selenskyj: „Goliath wird auf jeden Fall dieses Jahr fallen“

Der ukrainische Präsident zeigt sich bei seiner Rede auf der Sicherheitskonferenz siegessicher und zieht einen biblischen Vergleich. Gleichzeitig fordert er mehr Tempo bei den Waffenlieferungen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eröffnet die Münchner Sicherheitskonferenz per Videoschalte. 
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj eröffnet die Münchner Sicherheitskonferenz per Videoschalte. Felix Hörhager/dpa

Zum Auftakt der Münchner Sicherheitskonferenz hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die westlichen Verbündeten aufgerufen, die Hilfe für sein Land zu beschleunigen. „Wir müssen uns beeilen, wir brauchen Geschwindigkeit“, sagte der per Video zugeschaltete Selenskyj am Freitag mit Blick auf die militärische Lage knapp ein Jahr nach Beginn des russischen Angriffskriegs. Zu einem möglichen Kriegseintritt des mit Russland verbündeten Belarus sagte Selenskyj, er halte die Wahrscheinlichkeit dafür „ziemlich gering“.

Selenskyj sagte in seiner Rede weiter, Kiew und seine Partner müssten sich „schnell einigen“, weitere Waffenlieferungen müssten „schnell“ erfolgen. Es gebe „keine Alternative“ zu einem Sieg der Ukraine, sagte Selenskyj. „Es gibt keine Alternative zu Geschwindigkeit, davon hängt unser Leben ab“, sagte Selenskyj.

Selenskyj: „Es gibt keine Alternative dazu, dass die Ukraine Teil der Nato wird“

Auch gebe es „keine Alternative, dass die Ukraine Teil der EU wird. Es gibt keine Alternative dazu, dass die Ukraine Teil der Nato wird“, sagte Selenskyj weiter. Mit Blick auf die Sicherheitsinteressen der heutigen Nato-Staaten sagte Selenskyj, die Ukraine werde „nicht das letzte Land sein, das Putin angegriffen hat“. Alle Länder, die „Teil des Sowjetblocks waren“, seien bedroht.

Nach seiner Rede sagte Selenskyj auf eine Frage von Sicherheitskonferenz-Leiter Christoph Heusgen zu einem möglichen Kriegseintritt des mit Russland eng verbündeten Nachbarstaats Belarus hin, die Wahrscheinlichkeit dafür halte er für „ziemlich gering“. Die Menschen in Belarus wollten „nicht gegen die Ukraine kämpfen“, ein Kriegseintritt der Minsker Regierung wäre Selenskyj zufolge ein „historischer Fehler“.

Selenskyj über Krieg: „Wir können es schaffen“

Zu den jüngst eröffneten Korruptionsermittlungen gegen hochrangige ukrainische Vertreter und Oligarchen sagte Selenskyj auf eine entsprechende Frage Heusgens, es gebe „keine endemische Korruption“ in der Ukraine. Es seien „viele Dinge an die Oberfläche gekommen im Verlauf des Krieges“, in Kriegszeiten gebe es „immer Korruption“. Die Ukraine reformiere „trotz des Krieges unser Land“, er sei sicher, dass es nach dem Krieg damit fertig werde.

Mit Blick auf die biblische Geschichte von David, der den übermächtigen Riesen Goliath mit einer Steinschleuder besiegt, sagte Selenskyj, die Ukraine müsse „Goliath besiegen, der unser Leben zerstören will“. Der russische Goliath habe bereits angefangen zu verlieren. „Goliath wird auf jeden Fall dieses Jahr fallen. Wir können es schaffen“, sagte der ukrainische Staatschef.

David habe aber Goliath nicht durch Entschlossenheit besiegt, sondern durch „Mut und den Gebrauch einer Steinschleuder“. Diese Steinschleuder müsse nun „noch stärker werden und zwar jetzt“, sagte Selenskyj.