Ein Öltanker an der Straße von Gibraltar (Archiv). 
Foto: imagoimages/Jan Hübner

CaracasMindestens 16 randvoll mit Erdöl gefüllte Öltanker irren derzeit auf den Meeren der Welt umher. Sie finden keine Abnehmer für den aus Venezuela stammenden Rohstoff. Aus Furcht vor einer Verfolgung durch die US-Behörden wegen möglicher Sanktionsverstöße scheuen Firmen davor zurück, Venezuela Rohöl abzukaufen.

In den Schiffen lagern nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters insgesamt 18,1 Millionen Barrel (Fass zu je 159 Liter) Erdöl. Das entspricht in etwa der gesamten venezolanischen Fördermenge von zwei Monaten. Normalerweise wird Erdöl erst dann verladen, wenn das Ziel bereits feststeht. Ladungen ohne Abnehmer gelten als Notverkauf. Sie werden oftmals mit deutlichen Abschlägen angeboten. Allein die Liegegebühren für einen Öltanker belaufen sich auf mindestens 30.000 Dollar täglich pro Tag. Daher fahren die besagten Schiffe umher, einige davon seit einem halben Jahr. 

Hintergrund sind von der US-Regierung verhängte Sanktionen gegen Venezuela. Damit soll der noch immer andauernde Machtkampf zwischen dem offiziell amtierenden Präsident Nicolas Maduro und dem selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaido zu dessen Gunsten entschieden werden.

Zwar darf Venezuela für bestimmte Zwecke Rohöl verkaufen, um etwa Lebensmittel zu bezahlen oder Schulden zu bedienen. Viele Abnehmer scheuen dennoch vor solchen Geschäften zurück, weil sie befürchten, in der Folge wegen Sanktionsverstößen von den USA auf eine schwarze Liste gesetzt zu werden. Seit Ende Mai drehten in diesem Zusammenhang laut Reuters mindestens sechs Öltanker, die in Venezuela Öl aufnehmen sollten, unverrichteter Dinge wieder ab.

Verschärft werden die Schwierigkeiten durch die Coronavirus-Pandemie und den Einbruch der weltweiten Nachfrage. Das Überangebot dämpft den Appetit der Käufer auf risikobehaftete Lieferungen aus Ländern wie Venezuela oder auch dem Iran.