Berlin lässt es krachen: Tausende feiern Silvester am Brandenburger Tor

Zur Party am Tor drängten mehr Menschen, als es Tickets für die Silvesterfeier gab. Die Polizei meldet zahlreiche Einsätze im Stadtgebiet. Die Feuerwehr hat den Ausnahmezustand ausgerufen.

Vor dem Brandenburger Tor findet die ZDF-Silvester-Show statt.
Vor dem Brandenburger Tor findet die ZDF-Silvester-Show statt.dpa/Jörg Carstensen

Berlin-Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie konnte am Samstagabend wieder eine Silvesterfeier mit Publikum am Brandenburger Tor stattfinden. Die Gäste mussten bereits im Voraus Tickets für die Show unter dem Motto „Celebrate at the Gate“ kaufen. Mit 2500 Menschen war die Feier ausgebucht. Dennoch war der Andrang am Brandenburger Tor bereits am frühen Abend groß. Zahlreiche Besucher waren ohne Ticket gekommen und suchten Einlass. Die Polizei rief mit Durchsagen dazu auf, Wege frei zu halten und verwies darauf, dass die Party ausverkauft sei.

Zahlreiche Menschen stehen am Silvesterabend hinter einer Absperrung an der Straße Unter den Linden. Sie verfolgen eine TV-Show des ZDF, die live vom Brandenburger Tor ausgestrahlt wird. 
Zahlreiche Menschen stehen am Silvesterabend hinter einer Absperrung an der Straße Unter den Linden. Sie verfolgen eine TV-Show des ZDF, die live vom Brandenburger Tor ausgestrahlt wird. dpa/Jörg Carstensen

Um Mitternacht sollte es dieses Jahr kein Höhenfeuerwerk, sondern eine Lichtshow geben, wie der Veranstalter mitteilte. Das ZDF übertrug ab 20.15 Uhr vom Tor seine Show „Willkommen 2023“ mit Andrea Kiewel und Johannes B. Kerner. Sänger Sasha eröffnete die Bühnenshow und half anschließend bei der Moderation. Als musikalische Gäste standen unter anderem noch die Scorpions, Malik Harris und DJ BoBo auf dem Programm.

Der S- und U-Bahnhof wurde am Samstagnachmittag um 14 Uhr geschlossen. Züge fahren ohne Halt am Brandenburger Tor bis zum Neujahrsmorgen um 2 Uhr durch.

Die Feier findet dieses Jahr auf dem Pariser Platz statt, also auf der anderen Seite des Brandenburger Tors als in den Vorjahren. Vor der Pandemie hatten auf der anderen Seite des Brandenburger Tors - zum Tiergarten hin - bisweilen Hunderttausende gefeiert. Das Fest galt als die größte Silvesterparty Deutschlands. Nach Angaben von Visit Berlin kamen aber auch dieses Jahr wieder viele Touristen in die Hauptstadt, so dass Hotels 80 bis 90 Prozent Auslastung erwarteten.

Böller-Randale in Schöneberg, Berliner Feuerwehr ruft Ausnahmezustand aus

Überall in der Stadt wurde bereits den Tag über geböllert – auch wenn dies offiziell erst ab 18 Uhr am Silvesterabend erlaubt war. An der Pallasstraße in Schöneberg gab es am Freitagabend bereits den zweiten Abend infolge einen Polizeieinsatz deswegen. Dort sei aus einer Gruppe von etwa 30 Menschen Pyrotechnik auf die Fahrbahn, Passanten und auch auf Polizeibeamte geworfen worden, hieß es von der Polizei. Vier Beteiligte seien vorübergehend festgenommen worden. Ein Polizist sei leicht verletzt worden. Einer der Festgenommenen, ein 16-Jähriger, soll einen voll besetzten Bus beschossen haben. Schon am Donnerstagabend hatten etwa 150 Menschen rund um die Pallasstraße illegal Knaller und Raketen gezündet und einen Polizeieinsatz ausgelöst.

Das Gebiet rund um die Pallasstraße ist ebenso wie zwei andere Bereiche in Berlin eine Böllerverbotszone. Zwischen 18 Uhr und 6 Uhr morgens darf hier kein Feuerwerk gezündet werden. Weitere Böllerverbotszonen sind der Alexanderplatz und Straßen rund um das Gefängnis in Moabit.

Ein Transparent weist darauf hin, dass der Alexanderplatz eine Böllerverbotszone ist. 
Ein Transparent weist darauf hin, dass der Alexanderplatz eine Böllerverbotszone ist. dpa/Paul Zinken

Die Berliner Feuerwehr rief den „Ausnahmezustand Silvester“ aus. Das heißt, dass etwa dreimal so viele Einsatzkräfte unterwegs sind wie normalerweise. Laut Feuerwehr sind mehr als 1200 Kräfte im Einsatz. Allein innerhalb einer Stunde sei die Berliner Feuerwehr zu mehr als 40 Brandeinsätzen ausgerückt, sagte ein Feuerwehrsprecher gegen 21.30 Uhr.

Einen Großeinsatz gab es in der Kreuzberger Urbanstraße. Hier brannte es im Keller eines siebengeschossigen Wohnhauses. Die Feuerwehr war mit 70 Einsatzkräften vor Ort, rund 20 Menschen seien gerettet worden und würden derzeit von den Rettungsteams versorgt. Einige von ihnen müssten wohl ins Krankenhaus, wie der Sprecher weiter sagte.

Auch die Berliner Polizei hat zum Jahreswechsel 1100 zusätzliche Kräfte im Dienst. Auf Twitter informierte sie über zahlreiche Schlägereien, beschlagnahmte Schreckschusspistolen, Raketenschüsse auf Gebäude und Passanten sowie Angriffe auf Rettungsdienste und einen Balkonbrand. Auch das Unfallkrankenhaus Berlin hat nach eigenen Angaben die Operationskapazitäten deutlich verstärkt.