Berlin - Trotz des Verkaufsverbots von Feuerwerk und 53 Böllerverbotszonen sind in Berlin zahlreiche Menschen durch Pyrotechnik verletzt worden. Feuerwehr und Polizei haben am Neujahrsmorgen eine erste Bilanz gezogen. Dabei wird deutlich, dass es zwar insgesamt weniger Böllerschlachten und größere Menschenansammlungen gab. Dafür wurden aber stadtweit Einsatzkräfte gezielt mit Pyrotechnik angegriffen. Bis zum frühen Morgen registrierte die Polizei knapp 300 Festnahmen, außerdem wurden 92 Schreckschusswaffen sichergestellt. 

Wie jedes Jahr mussten auch in dieser Silvesternacht Dutzende Verletzte behandelt werden. „Bis Mitternacht war gar nichts los. Aber dann ging es los“, sagte Angela Kijewski, Pressesprecherin des Unfallkrankenhauses Berlin (UKB). Patienten mit tiefen Explosionswunden, Einsprengungen, Gesichtsverbrennungen und Hörschäden kamen in das Klinikum, das aufgrund seiner Chirurgen für die Rettungskräfte die Anlaufstelle Nummer eins für Brand- und Detonationsverletzungen ist. Nach Angaben der Feuerwehr wurden bis morgens 19 Schwerverletzte in Berliner Krankenhäuser gebracht, 15 davon kamen ins UKB. Fünf von ihnen mussten sofort operiert werden. Beim Jahreswechsel 2020/21 wurden zehn Menschen mit schweren Böllerverletzungen behandelt.

Böller sprengt Hand kaputt – Amputation im Krankenhaus 

Einem Patienten musste die Mittelhand amputiert werden, ein anderer verlor aufgrund einer Explosion zwei Zehen, so Kijewski. Diese beiden verheerendste Fälle gehen auf die Explosion einer selbst gebastelten Kugelbombe in Berlin-Friedrichshagen zurück. Laut ersten Erkenntnissen hatte der Sprengsatz erst nicht gezündet. Als sich dann einige Menschen um das unberechenbare Teil versammelten, explodierte die Bombe doch. Unter den zwölf Verletzten waren auch mehrere Kinder, so die Polizei. Es gab auch Fälle mit harmloseren Verletzungen. Ein Patient hatte es geschafft, sich mit einer Wunderkerze Verbrennungen zuzufügen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten. 

Video vom Silvester-Feuerwerk in Berlin.

Quelle: Youtube

Video vom Silvester-Feuerwerk in Berlin.

Quelle: Youtube

Auch in diesem Jahr wurden Einsatzkräfte wieder gezielt angegriffen. Laut ersten Erkenntnissen der Polizei sind mindestens 15 Beamte verletzt worden. Sogar Sanitäter und Notärzte der Feuerwehr sahen sich teilweise massivem Beschuss von Raketen und Schreckschusswaffen ausgesetzt, sagte ein Sprecher. Demnach habe es stadtweit zehn Angriffe auf Rettungskräfte gegeben, bei denen zwei Fahrzeuge beschädigt wurden.

In der Huttenstraße in Moabit hatten Unbekannte einen Container angezündet, um die Brandbekämpfer in eine Falle zu locken. Als die Einsatzkräfte die Flammen löschen wollten, wurden sie hinterrücks mit Feuerwerk beschossen. Auch auf der Sonnenallee in Neukölln, am Maybachufer in Kreuzberg und an der Brunnenstraße in Gesundbrunnen kam es zu hinterhältigen Angriffen auf Einsatzkräfte. 

Video vom Silvester-Feuerwerk in Berlin

Quelle: Youtube

Feuerwerk vom Berliner Fernsehturm aus betrachtet.

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„Leider wurden auch in diesem Jahr unsere Helferinnen und Helfer angegriffen. Ich verurteile diese Taten auf das Schärfste. Wir eilen Menschen in Not zu Hilfe und werden selbst mit Böllern beschossen und beworfen. Dieses Verhalten ist nicht zu rechtfertigen“, erklärte Landesbranddirektor Dr. Homrighausen. Wie die Berliner Feuerwehr am Neujahrsmorgen mitteilte, gab es zum Jahreswechsel knapp über 1.000 Einsätze. Das waren rund 160 mehr als vor einem Jahr, aber dennoch deutlich weniger als in den vorangegangenen Jahren. 

Berliner böllern trotz Verboten – mit Feuerwerk aus dem Ausland 

Trotz der diesjährigen Böllerverbotszonen, dem Verkaufsverbot von Silvesterfeuerwerk sowie dem Verbot von Menschenansammlungen gingen viele Berliner in ihren Kiezen auf die Straßen, böllerten und ließen Raketen in die Luft steigen. „Es fiel auf, dass in diesem Jahr weniger Pyrotechnik abgefeuert wurde. Aber was abgefeuert wurde, hatte eine andere Qualität – vermutlich, weil es aus Polen kam“, sagte ein Mitarbeiter der Feuerwehr. In Marzahn-Hellersdorf gab es über den Dächern der Plattenbauten zum Teil spektakuläres Feuerwerk am Himmel zu sehen. Ein Youtube-Nutzer hat einige Aufnahmen im Internet veröffentlicht. 

Selbst in Wohnvierteln in Prenzlauer Berg, Mitte und Steglitz-Zehlendorf ließen sich Familien mit Kindern die Silvesterknallerei nicht nehmen. Besonders viel geböllert wurde nach Einschätzung der Feuerwehr in Neukölln, Wedding und Schöneberg. Insgesamt sei aber im ganzen Stadtgebiet Pyrotechnik gezündet worden. 

In der Marzahner Straße in Alt-Hohenschönhausen löste die Polizei eine illegale Party mit rund 500 Gästen auf, die über die sozialen Medien organisiert worden war. Die Beamten wurden auf die geheime Silvesterfeier jedoch nur zufällig aufmerksam, weil ein Brandmelder Alarm geschlagen hatte. Als die Einsatzkräfte eintrafen, sei laut Polizei ein Großteil der Feiernden geflüchtet. Die Musikanlage wurde beschlagnahmt, die Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruchs gegen den 30-jährigen Veranstalter.

Polizei löst Menschenansammlung Unter den Linden auf 

Die größte Menschenansammlung, die von der Polizei aufgelöst werden musste, gab es laut Polizei Unter den Linden. Von 23 Uhr bis 0.30 Uhr hatten sich dort mehr als 1000 Feierende versammelt. Viele hofften auf ein großes Feuerwerk am Brandenburger Tor. Da die Menschen dicht gedrängt zusammenstanden, versuchte die Polizei sie durch Lautsprecherdurchsagen dazu zubringen, auseinanderzuströmen. „Das klappte nicht so gut. Letztendlich mussten wir rein ins Getümmel, woraufhin sich die Menschen dann auch nach und nach verteilten“, erklärte Polizeisprecher Thilo Cablitz. Sein Fazit: „Es war etwas weniger los als die Jahre zuvor. Das heißt: Eigentlich war es eine vergleichsweise ruhige Nacht.“

In der Graefestraße in Kreuzberg sollen nach Angaben der Polizei Unbekannte gegen 0.25 Uhr mit einem Böller und einem Stein Fensterscheiben einer Wohnung im Hochparterre zerstört haben. Anschließend sollen die Täter einen weiteren Feuerwerkskörper in die Wohnung geworfen haben. Außerdem warfen sie laut Polizei Müll und einen Tannenbaum auf den Balkon der Wohnung. 

13 Autobrände in der Silvesternacht in Berlin 

Nach 13 Autobränden in der Silvesternacht ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der Brandstiftung. Die Fälle ereigneten sich nach Angaben der Polizei in den Bezirken Spandau, Tempelhof-Schöneberg, Mitte sowie Reinickendorf und Neukölln. Der erste Fall sei am Freitagabend gegen 19.40 Uhr von Passanten in Spandau im Ortsteil Falkenhagener Feld bemerkt worden, teilte die Behörde am Samstag mit.

Kurz vor Mitternacht habe dann in Schöneberg ein Kastenwagen gebrannt. In dessen Nähe stießen Feuerwehrleute auf ein weiteres Auto, aus dem der Geruch von Brandbeschleuniger ausgetreten sei. Ab 2 Uhr wurde die Feuerwehr dann in kurzen Abständen zu den weiteren Bränden gerufen. Gegen 7.20 Uhr löschte sie nach Angaben der Polizei in Rudow den letzten Autobrand am Neujahrsmorgen.