BerlinVor Silvester wird in diesem Jahr kein Feuerwerk verkauft. Der Verkauf von Pyrotechnik werde verboten, sagte Bundeskanzlerin Angel Merkel (CDU) am Sonntag in Berlin. Das Bundesinnenministerium soll eine entsprechende Verordnung erlassen.

Darüber hinaus soll ein Feuerwerksverbot auf durch die Kommunen zu definierenden publikumsträchtigen Plätzen gelten. Dies geht aus einem Entwurf zur Beschlussvorlage der Bund-Länder-Runde mit Kanzlerin Merkel hervor. Der Entwurf liegt der Berliner Zeitung vor. Dem Schreiben zufolge soll zudem am Silvester- und am Neujahrstag ein bundesweites An- und Versammlungsverbot umgesetzt werden. Die Bundesregierung rät von Zünden von Pyrotechnik „generell dringend“ ab. Hintergrund sei die hohe Verletzungsgefahr und die bereits „enorme Belastung des Gesundheitssystems“.

Der Böller-Markt ist zuletzt gewachsen. Wie das Statistische Bundesamt Ende November mitteilte stieg der Import von Feuerwerkskörpern von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitrum um drei Prozent an. Demnach wurden 30.700 Tonnen Feuerwerkskörper im Wert von 75,6 Millionen Euro nach Deutschland geliefert. 

Pyrotechniker-Verband will Ausnahmeregelung

Eine Schließung der Geschäfte würde die Feuerwerkshersteller nach Darstellung des Branchenverbandes hart treffen. „Wenn das Silvester-Geschäft jetzt ausfällt, ist das dramatisch“, sagte Klaus Gotzen, der Geschäftsführer des Verbandes der pyrotechnischen Industrie, der dpa. „Verglichen mit anderen Branchen haben wir das Riesenproblem, dass wir erst in den letzten drei Tagen des Jahres unseren Jahresumsatz machen können.“ Aus Sicht des Verbands sollte eine Ausnahme für den Pyro-Fachhandel gemacht werden.

„Besonders den Fachhandel würde es schwer treffen“, sagte Gotzen. „Es sollte eine Ausnahmeregel für den Fachhandel geben“, forderte er. Die Branche hofft auf finanzielle Unterstützung. „Nachdem ein generelles Böllerverbot im November nicht beschlossen wurde, waren wir ein wenig erleichtert. Jetzt ist Einiges an Ware schon ausgeliefert und müsste kostenintensiv zurückgeholt werden.“

Der Online-Handel mit Böllern und Raketen ist nach Branchenangaben noch nicht so ausgeprägt wie bei anderen Produkten. Bei größeren Mengen machen die Sicherheitsanforderungen den Versand teuer. Zudem ist eine pünktliche Lieferung nicht in jedem Fall sicher.

Die Hersteller dürften bei einer Schließung von Geschäften also auf einem großen Teil ihrer Ware sitzen bleiben. „Inwiefern der Lebensmittelhandel nachordern kann, ist schwierig zu beurteilen“, sagte Gotzen. „Die Bestellungen sind schon vor einem Jahr rausgegangen.“

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche nach Verbandsangaben rund 130 Millionen Euro Umsatz. Ein Teil davon ist schon weggebrochen, weil es 2020 kaum Bühnen- oder Großfeuerwerke für Veranstaltungen gab.