Sonne, klarer Himmel und Temperaturen um den Gefrierpunkt am frühen Freitagmorgen in Rostock: Bestes Eisbärenwetter beim ersten öffentlichen Gang der Mitte November geborenen Rostocker Eisbär-Zwillinge. Pünktlich um 8.30 Uhr wurde der Schieber von der Geburtshöhle zum großzügigen Außenbereich des Polariums geöffnet, kurz darauf erschienen Mama Sizzel und ihre beiden noch ziemlich tapsigen Mädchen. „Sind die süß“ war ein ums andere Mal von den Besuchern zu hören.

Zuvor hatte Zoodirektorin Antje Angeli zusammen mit Agrarminister Till Backhaus (SPD) und Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) die Namen der beiden präsentiert: Kaja und Skadi waren die Favoriten für die mehr als 10.000 Menschen, die sich an der Abstimmung beteiligten. Kaja bedeute so viel wie die Schöne oder die Reine und Skadi sei der Name der Göttin der Jagd und des Winters, sagte Angeli. Beide Namen haben ihre Wurzeln im nordischen Raum.

„Skadi ist kleiner, aber frecher“

Wie Zookuratorin Daniela Lahn berichtete, ist Kaja die größere der beiden. „Skadi ist kleiner, aber frecher.“ Die Charaktere seien höchst unterschiedlich: Kaja sei die Ruhigere, die auch noch den Schutz der Mutter suche und Skadi die Draufgängerin. „Sie fordert oft ihre Schwester zum Spielen auf und springt einfach auf sie drauf.“

Noch brauchen die etwa 15 Kilo schweren Jungtiere sechs Mal am Tag Muttermilch. Das werde noch ein Jahr so weitergehen, sagte Lahn. Aber nun fingen die Pfleger an, den Kleinen Gemüse oder auch Fisch anzubieten. Sizzel sei eine tolle Eisbärenmutter und kümmere sich rührend um den Nachwuchs.

Das Trio werde noch etwa zwei Monate auf der Mutter-Kind-Anlage mit dem Flachwasserbecken bleiben. Insbesondere beim ersten Wasserkontakt sei Sizzel gefragt. Erst wenn die Kleinen richtig sicher im Wasser sind, können sie auf die große Anlage umziehen.

Die beiden sind die einzigen Eisbären, die 2021 in Deutschland aufgezogen werden konnten, sagte Lahn. Im Gelsenkirchener Zoo waren im Dezember zwei Eisbärenbabys nur wenige Tage nach ihrer Geburt gestorben. In Europa wurden 2021 insgesamt sieben Eisbären geboren, die auch aufgezogen wurden. Im Durchschnitt überlebe bei der Nachzucht jedoch nur jedes zweite Tier.

Nur noch 25.000 Eisbären leben auf der Erde

Backhaus machte auf die dramatische Situation der Eisbären in Freiheit aufmerksam: Nur noch rund 25.000 Eisbären lebten auf der Erde, in Zoos würden 250 Eisbären gehalten. Aber im Rostocker Zoo, wo das Internationale Zuchtbuch für Eisbären geführt wird, seien in den vergangenen Jahren 35 Eisbären geboren worden.

Oberbürgermeister Madsen verzichtete auf ein Taufgeschenk. Er versprach den beiden kleinen Mädchen vielmehr, dass sich die Stadt noch mehr um das Weltklima kümmern wolle. „Das muss der Hauptauftrag sein.“ Er sei aber sicher, dass Kaja und Skadi nicht nur Botschafterinnen für die bedrohte Tierart sein werden, sondern auch als zwei echte Rostockerinnen die Hansestadt weltweit noch bekannter machen würden.