London - Einige Menschen könnten das Coronavirus möglicherweise besser abwehren als andere. Hinweise darauf liefert eine aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift Nature erschienen ist. Demnach könnten einige Menschen eine sich anbahnende Corona-Infektion mithilfe bestimmter T-Gedächtniszellen so schnell wieder eliminieren, dass ein Schnell- oder PCR-Test negativ ausfalle. Im Idealfall würden diese Menschen, so die Studienautoren, möglicherweise sogar Antikörper gegen das Virus produzieren.

Die Forscher halten es für denkbar, dass diese T-Gedächtniszellen bereits bei bekannten Coronaviren – also vor der Pandemie – produziert wurden. Diese Coronaviren haben in der Regel nur eine Erkältung verursacht. In der Studie heißt es: „Wahrscheinliche Kandidaten für die Quelle bereits vorhandener T-Zellen, die Kreuzerkennung von SARS-CoV-2 sind frühere Infektionen mit eng verwandten humanen endemischen Erkältungs-Coronaviren (α-HCoV 229E, NL63 und β-HCoV HKU1, OC43).“

Studie: Fast 60 Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die nie coronapositiv waren

Die britischen Forscher vermuten auf Grundlage von Analysen von Blutproben, die knapp 60 Mitarbeiter im Gesundheitswesen zu Beginn der Pandemie abgegeben haben sollen, Folgendes: Bestimmte T-Zellen könnten das Coronavirus stoppen, indem sie ein Cluster bestimmter Proteine – den sogenannten Replikations-Transkriptions-Komplex – deaktivieren, das für die Vermehrung von Sars-CoV-2 mitverantwortlich ist.

Das Besondere an den Mitarbeitern: Obwohl sie berufsbedingt einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt waren und sich sogar Kollegen angesteckt haben sollen, wurden sie offenbar auch vier Monate nach Aufnahme in die Studie nie positiv getestet. Zudem sollen sie auch keine Antikörper gegen Sars-CoV-2 produziert haben.

Neue Erkenntnisse für Impfstoffe?

Die Wissenschaftler machen zudem mit Blick auf den Replikations-Transkriptions-Komplex Hoffnung auf neue Erkenntnisse für Impfstoffe. Während sich Spikeproteine, mit denen Viren in die Zelle eindringen, von Virusvariante zu Virusvariante unterscheiden, so die Forscher, seien die Eiweiße in besagtem Komplex bei vielen Coronaviren gleich. Dementsprechend könnten sich Impfstoffproduzenten an diesen Proteinen orientieren, um Vakzine zur Bekämpfung möglichst aller Coronaviren entwickeln zu können, heißt es.

Es sei allerdings noch zu früh für zweifelsfreie Aussagen über die Leistung einzelner Körper eine Corona-Infektion abbrechen zu können. Es gebe noch zu viele Vorbehalte gegenüber den Ergebnissen, räumen die Wissenschaftler in Nature ein. Auch gehe aus den Daten nicht hervor, dass eine Erkältung vor einer Erkrankung schützt. Vor derartigen Schlüssen warnen die Wissenschaftler ausdrücklich.

Nicht an der Studie beteiligte Wissenschaftler beanstanden zudem offenbar das Fehlen endgültiger Beweise dafür, dass die Mitarbeiter des Gesundheitswesens, die das Virus angeblich eliminiert haben, tatsächlich Sars-CoV-2-Partikel in ihrem Körper hatten.