Berlin - Ein starker Plasmaausbruch auf der Sonne lässt die Chancen auf Polarlichter in unseren Breiten deutlich steigen - am Wochenende könnte man sie vor allem im Osten Deutschlands am Himmel sehen.

Der Grund: Am Donnerstagabend gab es auf der Sonne einen starken Plasmaausbruch, wie WetterOnline mitteilt. „Nach derzeitigem Stand fand die Eruption und der damit verbundene Masseauswurf genau erdgerichtet statt. Je nach Geschwindigkeit der Plasmawolke wird diese im Zeitfenster vom späten Freitagabend bis Samstagabend die Erde erreichen. Die Chancen, Polarlichter bis in mittlere Breiten zu sehen, steigen somit deutlich an und sind so gut wie schon lange nicht mehr“, erklärt Meteorologe Björn Goldhausen von WetterOnline.   

NASA/GSFC/SDO
Ein Plasmaausbruch auf der Sonne.

Der Himmel über Deutschland bietet jedoch nicht überall ideale Voraussetzungen für die Bobachtung. Der Meteorologe erläutert die Aussichten: „Das Wetter spielt leider längst nicht in allen Landesteilen mit. Die Nacht zum Samstag beginnt noch verbreitet klar. Im Verlauf ziehen im Westen allerdings schon dichte Wolken auf und gegen Morgen regnet es im Südwesten sogar etwas. Von der Ostsee bis zum Alpenrand bleibt der Himmel jedoch meist klar. In der Nacht zum Sonntag schwinden die Chancen, Polarlichter zu Gesicht zu bekommen, denn dann ziehen auch im Osten immer wieder dichte Wolken durch. Dort wird der Blick auf den Sternenhimmel aber zwischenzeitlich auch frei. In der Westhälfte bleibt der Himmel hingegen meist komplett wolkenverhangen.“

Wo Sie die Polarlichter am besten beobachten können

Aber von wo aus kann man die Polarlichter am besten beobachten? Der Verein Arbeitskreis Meteore empfiehlt auf seiner Webseite, einen Standort mit möglichst wenig störendem Licht zu wählen. Am besten geeignet seien Gebiete nördlich von Großstädten sowie ländliche Regionen. Beste Bedingungen finden sich demnach an Nord- oder Ostsee, wo der Blick nach Norden meist ungetrübt ist. Denn Polarlichter seien von Deutschland aus meist in Horizontnähe in nördlicher Richtung zu sehen.

Schwache Polarlichter nimmt man mit bloßem Auge laut dem Arbeitskreis Meteore als Aufhellung am Horizont wahr. Bei stärkeren Events sei das Polarlicht als farbliches grünes Band oder als roter Schleier mit senkrecht verlaufenden, sich bewegenden Strahlen zu sehen. Polarlichter seien für das menschliche Auge nicht bunt, so wie es auf den meisten Bildern im Internet zu sehen ist. Es seien also keine knalligen Grün- oder Rottöne zu erwarten. Viel eher sehe man graue senkrechte Strahlen die sich entlang am Himmel bewegen. Bei stärkeren Polarlichtern könne man einen leichten Grünschimmer oder Rotfärbung erkennen.

Auswirkungen auf Radio- und GPS-Empfang möglich

Der aktuelle Plasmaausbruch auf der Sonne erreichte knapp eine Stärke der höchsten Kategorie X. Erst im Sommer 2021 gab es den einen Ausbruch mit einer ähnlichen Stärke. Er sorgte für einen rund einstündigen Ausfall des GPS-Systems und stundenlange Störungen im Radioempfang. „Anders als diesmal ereignete sich der Ausbruch im Sommer allerdings am Rand der Sonne und war nicht genau erdgerichtet“, so Goldhausen. Beide Ausbrüche kennzeichnen die „wiedererwachende Sonne“. War es auf unserem Fixstern bis Ende 2019 eher ruhig, so nimmt die Aktivität seitdem wieder zu. Der Höhepunkt des aktuellen Sonnenzyklus wird im Sommer 2025 erwartet. Experten gehen allerdings von einem eher schwachen Zyklus aus.

Den Menschen bereite die Sonnenstrahlung direkt keine Probleme. Das Magnetfeld sei auf Zack und spanne sich wie ein Wächter im All um die Erde, beruhigt der Pressesprecher von WetterOnline. Problematischer sieht es für Astronauten und Piloten aus, denn diese sind teils massiver Strahlung ausgesetzt. Wie groß die Auswirkungen diesmal auf technische Systeme wie GPS oder den Radioempfang sein werden, bleibt abzuwarten. „Sehr schwere Ausbrüche, zu denen dieser aber nicht zählt, sind durchaus in der Lage für großflächige und langanhaltende Stromausfälle zu sorgen – im Extremfall weltweit“, sagt Goldhausen.