Washington - Ein entscheidender Schritt zur Vorbereitung der Inbetriebnahme des Weltraumteleskops „James Webb“ ist geschafft: Der etwa der Größe eines Tennisplatzes entsprechende Sonnenschutz des Teleskops ist laut US-Raumfahrtbehörde Nasa vollständig aufgespannt worden. Damit ist eine der kompliziertesten Prozeduren beim Aufbau des Teleskops abgeschlossen.

Es handele sich um einen „unglaublichen Meilenstein“, der für den Erfolg der Mission äußerst wichtig sei, sagte Webb-Programmdirektor Gregory Robinson am Dienstag (Ortszeit) im Nasa-Hauptsitz in Washington. Er sprach von einem „Wunderwerk der Technik“. Mit dem gemeinsam von Weltraumbehörden in Europa, den USA und Kanada gebauten Teleskop sollen die ältesten Galaxien des Weltalls erkundet werden.

Teleskop startete am 25. Dezember

Bei der rund acht Tage dauernden Entfaltung des Schutzschildes mussten tausende Teile präzise zusammenarbeiten, wie Robinson weiter sagte. Laut Nasa wird die Abschirmvorrichtung das Teleskop vor Licht und Hitze von Sonne, Erde und Mond schützen und die Arbeit bei Temperaturen von unter etwa minus 229 Grad ermöglichen. Sie besteht demnach aus fünf Schichten. Jede der Folien sei ungefähr so dünn wie ein menschliches Haar und mit reflektierendem Metall beschichtet, hieß es. Der dadurch gebotene Schutz entspreche in etwa der Größenordnung des Sonnenschutzfaktors eine Million.

Auf Twitter teilte die Nasa ein kurzes Video von dem aufgespannten Sonnenschirm bei einem Versuch auf der Erde. Am Mittwoch soll der zweite Spiegel entfaltet werden. 

Das Teleskop war am 25. Dezember an Bord einer Ariane-Trägerrakete vom europäischen Weltraum-Bahnhof Kourou in Französisch-Guayana ins All gestartet. Das Webb-Team habe drei Tage darauf begonnen, den Sonnenschutz ferngesteuert zu entfalten. Das Teleskop soll 1,5 Millionen Kilometer weit in den Weltraum fliegen und für diese Strecke etwa vier Wochen benötigen.

Wissenschaftler erhoffen sich von den Aufnahmen unter anderem Erkenntnisse über die Zeit nach dem Urknall vor rund 13,8 Milliarden Jahren. Erste Daten und Bilder des Teleskops werden frühestens im Sommer erwartet. Das James-Webb-Teleskop wurde laut Betreiberangaben rund 30 Jahre lang entwickelt und kostete etwa 10 Milliarden Dollar (8,8 Milliarden Euro). Es folgt auf das Teleskop „Hubble“, das seit mehr als 30 Jahren im Einsatz ist.