Swjosdny Gorodok - Rauch hat in einem russischen Segment auf der Internationalen Raumstation ISS ein Alarmsignal ausgelöst. Während des automatischen Aufladens von Batterien sei in der Nacht zum Donnerstag um 03.55 MESZ im Modul „Swesda“ („Stern“) ein Rauchmelder angegangen, teilte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos am Donnerstagvormittag mit.

In einem Livestream der US-Raumfahrtbehörde Nasa war außerdem zu hören, wie Kosmonaut Oleg Nowizki den Geruch von verbranntem Plastik schilderte. Der Geruch zog demnach bis in den amerikanischen Teil der ISS, die rund 400 Kilometer über der Erde fliegt.

Weltraumspaziergang soll stattfinden

Unklar war zunächst, woher Rauch und Geruch kamen. Um eine mögliche Rauchbelastung zu verhindern, wurde Roskosmos zufolge ein Filter zur Reinigung der Luft eingeschaltet. Später erklärte Kosmonaut Nowizki, eine Luftmessung habe keine Verunreinigung angezeigt. Alle Systeme funktionierten normal, die Besatzung konnte weiter ihrem Alltag nachgehen, versicherte Roskosmos. Wie geplant solle die Besatzung später am Tag einen Weltraumspaziergang antreten.

„Dass auf der russischen Seite mal ein Rauchmelder losgeht, das ist nichts Neues“, sagte der deutsche Raumfahrer Matthias Maurer, der Ende Oktober zur ISS fliegt, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Köln. Im Unterschied zur amerikanischen Seite der ISS funktioniere das System auf der russischen Seite etwas anders. „Dort kommt öfters mal Staub in die Optik, das sind optische Sensoren, und die erzeugen dann erst einmal einen Rauchalarm. Das ist noch kein Feueralarm.“

Die ISS-Besatzung sei für Extremsituationen wie Feuer, einen Druckverlust durch ein Leck oder Gift in der Atemluft natürlich ausgebildet, sagte Maurer.

Russisches Modul „Swesda“ hatte bereits mehrfach Sauerstofflecks

Ein russischer Raumfahrtexperte hatte sich Ende August besorgt über den Zustand des russischen Teils der SS geäußert. Etwa 80 Prozent der Bordsysteme hätten „das Ende ihrer Wartungszeit erreicht“, sagte der Chefingenieur des Raumfahrtunternehmens Energia, Wladimir Solowjow. Daher könnten jederzeit „irreparable Fehler auftreten“.

Energia war maßgeblich an der Entwicklung des russischen ISS-Moduls beteiligt. Moskau hatte bereits in der Vergangenheit unter Verweis auf veraltete Bauteile angekündigt, die ISS nach 2025 aufzugeben und eine eigene Raumstation aufzubauen.

Ende August hatte Solowjow über kleine Risse im russischen Frachtmodul „Sarja“ informiert, einem der ältesten Teile der ISS. Das Servicemodul „Swesda“ hatte bereits mehrfach Sauerstofflecks, zuletzt im Juli. Ebenfalls im Juli hatte das neue russische Labormodul „Nauka“ beim Andocken die gesamte ISS von ihrer Flugbahn abgebracht, nachdem seine Triebwerke ungeplant gezündet hatten.