BerlinIn dem provisorischen Flüchtlingscamp Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos wurde nach Angaben der SOS-Kinderdörfer eine Dreijährige vergewaltigt. Das Mädchen sei „bewusstlos und blutend in einem der Waschräume gefunden“ worden. Das teilte Boris Breyer, der stellvertretende Pressesprecher der Hilfsorganisation SOS-Kinderdorf, mit. 

Seit das Lager im September auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz Kara Tepe „im September nach einem Brand in Moria notdürftig errichtet wurde, weisen wir immer wieder auf die katastrophalen Bedingungen hin“, teilte Breyer weiter mit. Man warne immer wieder „vor den Gefahren, vor allem für Kinder“. So seien die Versorgungslage und die hygienischen Bedingungen in dem Lager völlig unzureichend, die Atmosphäre „höchst angespannt“.

Schon in dem Vorgängercamp Moria sei es immer wieder zu Gewaltausbrüchen gekommen. Auch in dem neuen Zeltlager, in dem aktuell 7500 Menschen untergebracht seien, hätten Kinder keinerlei Schutz. Offenbar als Reaktion auf das furchtbare Ereignis habe die griechische Regierung aktuell beschlossen, 200 Menschen in ein anderes Lager umzusiedeln. Dabei soll es sich vor allem um Kinder und Familien handeln.

„Die Umsiedlung kann nur ein erster Schritt sein“, sagt Pressesprecher Breyer. Die griechische Regierung müsse den Schutz und die Sicherheit für alle Flüchtlingskinder gewährleisten. Auch die EU sei hier in der Verantwortung. Sorgen mache der Hilfsorganisation auch der einbrechende Winter. Nach Angaben des Sprechers von SOS-Kinderdorf liegt das Camp „direkt am Meer. Die Menschen hausen in Zelten, sie sind den heftigen Winden und eisigen Temperaturen ausgesetzt. Das ist menschenunwürdig“. 

Auch Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) prangert die weiterhin katastrophalen Bedingungen für die Migranten auf der griechischen Insel Lesbos an. „Das neue Lager Kara Tepe ist offensichtlich nicht besser, im Gegenteil: Ärzte ohne Grenzen musste jetzt eine Tetanus-Impfaktion starten, weil Babys in nassen Zelten von Ratten gebissen werden“, sagte Müller der Passauer Neuen Presse

Müller sagte, besonders schlimm sei es für die Kinder, die in Flüchtlingslagern auf die Welt kämen. „Ich habe mit auf der Flucht vergewaltigten afrikanischen Frauen gesprochen, die auf dem nackten Boden saßen und auf die Geburt ihrer Kinder warteten. Ohne Hygiene oder ärztliche Versorgung“, berichtete er von einem Besuch in Moria 2018. „So sollte kein Leben beginnen.“ Er habe Flüchtlingscamps im Nordirak und Südsudan besucht. „Nirgendwo herrschten solch schlimme Zustände wie auf Lesbos.“