München/Berlin - Der Verein SOS Kinderdorf will Missbrauchsfälle in allen Einrichtungen in Deutschland systematisch aufarbeiten. Die Vereinsvorsitzende Sabina Schutter kündigte am Freitag ein bundesweites Forschungsprojekt in Zusammenarbeit unter anderem mit der Uni Münster und dem Deutschen Jugendinstitut in München an. „Für uns stehen dabei die Betroffenen im Mittelpunkt unseres Handeln: Eine Aufarbeitung der Vergangenheit muss deshalb zwingend die unterschiedlichen Lebenslagen mit berücksichtigen“, sagte sie. „Ziel ist eine Weiterentwicklung unserer Kinderschutzkonzepte zu einer Kultur des Hinhörens“, betonte Schutter. „Jede zukunftsgerichtete Weiterentwicklung muss sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen.“

Zuvor hatte der Kinderdorfverein eine Studie des Missbrauchsexperten Heiner Keupp über Übergriffe in einem bayerischen Kinderdorf veröffentlicht.

Nach Angaben des Kinderdorfvereins haben sich seit der Einführung einer internen Anlauf- und Monitoringstelle für kindeswohlgefährdende Grenzüberschreitungen im Jahr 2010 insgesamt 52 ehemalige Betreute gemeldet. Bislang seien in 21 Fällen auch Anerkennungszahlungen „bei Missbrauchserfahrungen“ geleistet worden. Laut Angaben auf der Website des Vereins gibt es deutschlandweit rund 40 Einrichtungen.