Berlin - Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hält die Debatte über die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht in der Corona-Krise momentan nicht für zielführend. „Sie löst unser akutes aktuelles Problem nicht“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag im Deutschlandfunk.

„Wir brechen diese Welle ja nicht mit einer verpflichtenden Impfung. Die käme viel zu spät die Wirkung. Wir müssen jetzt Kontakte reduzieren und geschlossen staatlich handeln. Deswegen weiß ich nicht, ob alle Kraft, die wir haben grad in dieser Debatte, zum jetzigen Zeitpunkt richtig konzentriert ist.“ Mehrere Ministerpräsidenten hatten sich zuletzt für die Einführung einer solchen Pflicht ausgesprochen.

Spahn beurteilte dies generell skeptisch. Dies sei nicht nur eine Rechtsfrage, sondern auch eine Frage des Verhältnisses zwischen Staat und Bürger. „Es ist eine Frage von Freiheit und Verantwortung.“ Aus seiner Sicht gebe es eine moralische, gesellschaftliche Verpflichtung, sich impfen zu lassen. Zudem gebe es offene Fragen bei der Durchsetzung einer solchen Maßnahme, sagte Spahn.

Spahn: Bis Ende des Winters viele Deutsche geimpft, genesen oder gestorben

Am Montag hatte Spahn sich bemüht, den Aufruhr wegen der von seinem Ministerium verfügten Deckelung der Bestellung von Biontech-Impfstoff zu beruhigen. Gleichzeitig lobte er den als Ersatz bei den Auffrischungen vorgesehenen Impfstoff. „Moderna ist ein sicherer und sehr wirksamer Impfstoff.“ Zugleich kündigte er an, dass viele Auffrischungsimpfungen auch künftig mit Biontech vorgenommen werden können.

Insgesamt gebe es ausreichend Vakzine, und Spahn warb mit drastischen Worten für die Impfung: „Wahrscheinlich wird am Ende dieses Winters so ziemlich jeder in Deutschland geimpft, genesen oder gestorben sein.“

Zur Begründung der Begrenzung hatte das Ministerium den Ländern geschrieben, dass andernfalls ab Mitte Februar eingelagerte Moderna-Dosen zu verfallen drohten. Spahn sagte, dass das nicht der entscheidende Aspekt sei. Vielmehr leere sich das Biontech-Lager (der Stoff macht 90 Prozent der Bestellungen aus). Allein an diesem Montag und Dienstag gingen sechss Millionen Biontech-Dosen an Apotheken, Praxen, Impfzentren. In den folgenden Wochen seien es aber jeweils nur noch zwei bis drei Millionen Dosen. „Und das liefern wir dann auch aus, halten nichts zurück.“

Bis Jahresende stünden insgesamt 24 Millionen Biontech-Dosen zur Verfügung. „Wenn wir davon ausgehen, dass wir bis dahin 25 bis 30 Millionen Auffrischungsimpfungen machen wollen, dann wird ein großer Teil dieser Impfungen auch mit Biontech stattfinden können.“ Zusätzlich seien von Moderna aktuell 16 Millionen Booster-Dosen verfügbar. Bis zum Jahresende seien es bis zu 26 Millionen. Spahn räumte ein, dass die Umstellung in Arztpraxen und Impfzentren „vielen zusätzlichen Aufwand und auch Stress bedeutet“.