Berlin - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat einen härteren Lockdown gefordert, um die dritte Corona-Welle zu brechen. Erst wenn die Inzidenzzahlen wieder niedriger seien, könne man mit Testen und Impfen aus der Pandemie herauskommen, sagte er am Donnerstag im WDR5-„Morgenecho“. Vor allem die privaten Kontakte müssten zunächst weiter reduziert werden.

In Regionen mit einer Wocheninzidenz von über 100 müsse man zu Ausgangsbeschränkungen kommen. „Ausgangsbeschränkungen haben ja vor allem ein Ziel: Dass abends nicht alle privat sich treffen, so schwer das fällt“, sagte Spahn. „Gerade die privaten Kontakte – nicht nur, aber auch am Abend – führen eben zu Infektionen.“

Der zweite wichtige Bereich seien Schulen und Kitas. Es sei wichtig, „in den Schulen sehr konsequent mindestens zweimal die Woche zu testen“, sagte Spahn. „Man hätte jetzt aus meiner Sicht die Ostertage gut nutzen können, jetzt in der Verlängerung Schulen und Kitas in Notbetreuung zu bringen.“ Außerdem müsse auch in Betrieben, in denen kein Homeoffice möglich sei, „mindestens zweimal die Woche ein Testangebot her“.

Erst wenn die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen stabil unter 100 liege, könnten einzelne Bereiche – etwa die Außengastronomie oder der Einzelhandel – testgestützt öffnen.

Gespräche mit Russland über Impfstoff Sputnik V

„Idealerweise“ solle es ein bundeseinheitliches Vorgehen geben. „Da ist es wichtig, dass wir erstmal zu einem einheitlichen Verständnis der Lage kommen.“ Es sei in den vergangenen Monaten immer wieder ein Problem gewesen, „dass Bund und Länder sich einigen auf etwas, und schon wenige Tage später es eben nicht mehr bundeseinheitlich umgesetzt wird, sondern es Ausnahmen und andere Regeln gibt“.

Gegenüber dem„ Morgenecho“ von WDR 5 kündigte Spahn auch an, bilaterale Gespräche mit Russland über eventuelle Lieferungen des Impfstoffs Sputnik V führen zu wollen. Hintergrund sei, dass die EU-Kommission am Mittwochabend erklärt habe, sie werde über Sputnik V nicht Verträge schließen wie mit anderen Herstellern wie etwa Biontech. 

Spahn knüpfte eine mögliche Bestellung des russischen Vakzins an zwei Voraussetzungen: Notwendig sei zum einen eine Zulassung durch die EU. „Dafür muss Russland Daten liefern.“ Zum anderen sei der Zeitpunkt der Lieferung ein wichtiger Faktor: „Um wirklich einen Unterschied zu machen in unserer aktuellen Lage, müsste die Lieferung schon in den nächsten zwei bis vier, fünf Monaten kommen – ansonsten haben wir so oder so mehr als genug Impfstoff.“

Brandenburg bemüht sich um Sputnik V

Brandenburg sondiert bereits mit Russland, inwieweit Lieferungen des Impfstoffs Sputnik V möglich sind. Laut Medienberichten ist Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) dem bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) zugeneigt, der Lieferungen aus Russland per Vorvertrag vorantreiben will. Woidke hofft jedoch laut der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) auf ein Handeln im Bund. „Wenn die Bundesregierung in dieser Hinsicht stärkere Aktivitäten übernimmt, hätte ich nichts dagegen“, so Woidke.