Berlin - Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Leiter des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, haben sich am Freitag vor der Presse zur aktuellen Corona-Lage vor und zu Ostern geäußert. Der Gesundheitsminister appellierte dabei an die Länder, die Notbremse, die ab einer Inzidenzzahl von 100 an drei aufeinander folgenden Tagen greifen soll, konsequent umzusetzen – dies sagte Spahn auch mit Blick auf Berlin, wo noch nicht sicher ist, ob die Notbremse umgesetzt wird. RKI-Präsident Wieler sprach sich für einen möglichst weitreichenden Lockdown aus, um die dritte Infektionswelle abzuflachen.

Mit Blick auf die aktuelle Lage zeichnete Spahn ein eher düsteres Bild: Wenn die Infektionszahlen weiter so stiegen wie bisher, drohe das Gesundheitssystem im April an seine Grenzen zu stoßen, warnte Spahn. Laut RKI stieg die Sieben-Tage-Inzidenz am Freitag bundesweit auf einen Wert von 119,1. Gleichzeitig schürte Spahn die Hoffnung auf eine baldige Entlastung durch Impfungen.

Spahn: Deutlich mehr Impfstoff ab April

Im April stünden voraussichtlich deutlich mehr Impfstoffe zur Verfügung. Daher wandte Spahn sich an die Länder: Impfstoff, der da sei, solle auch schnell verimpft werden. Dazu sollten auch Menschen aus der zweiten Prioritätsgruppe mit einbezogen werden.

Der Effekt der Impfungen drohe allerdings durch die steigenden Infektionszahlen abgedämpft zu werden. Spahn sagte: „Wir sind wahrscheinlich im letzten Teil dieses Pandemie-Marathons angekommen. Das ist aber auch der schwerste Teil.“ Und weiter: „Wir haben alle gehofft, dass dieses Ostern anders wird als das letzte. Aber die Mutation hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Spahn wies zudem darauf hin, dass staatliche Maßnahmen die Probleme nicht allein lösen würden.

Wieler: „Verzichten Sie aufs Reisen“

Ähnlich äußerte sich Lothar Wieler: „Es gibt deutliche Signale, dass diese Welle schwerer werden kann, als die anderen beiden Wellen. Die Wissenschaft ist sich da einig.“ Im Moment würden alle Indikatoren darauf hindeuten, dass sich die Situation verschlechtere.

Wieler warnte, auch mit Blick auf die Ostertage, eindringlich davor, das Infektionsgeschehen durch nachlässiges Verhalten weiter anzuheizen. „Verzichten Sie möglichst aufs Reisen“, sagte der RKI-Präsident. Mobilität und Kontakte seien die Treiber der Pandemie. Auf Nachfrage sprach Wieler sich für einen möglichst harten Lockdown aus. „Wir haben im vergangenen Frühjahr erlebt, wie effektiv ein konsequenter Lockdown sein kann.“ Im März 2020 hatten Bund und Länder ein bundesweites Kontaktverbot von mehr als zwei Personen in der Öffentlichkeit verhängt, Schulen, Kitas, Restaurants und fast alle Geschäfte mussten schließen.

Mit Blick auf Kritik an einzelnen Maßnahmen sagte Wieler: „Es gibt nicht das eine Wunderwerkzeug gegen die Pandemie, und das wird es auch nicht geben, aber wir haben einen ganzen Kasten. Wir haben zusätzliche Werkzeuge, die uns zusätzliche Sicherheit geben, aber wir müssen auch die anderen einsetzen. Die Impfungen sind das sicherste Werkzeug, trotzdem brauchen wir die Hygienemaßnahmen.“

Die generelle Corona-Testpflicht für Einreisen per Flugzeug tritt erst in der Nacht zu Dienstag in Kraft - zwei Tage später als zunächst geplant. Der Starttermin werde noch einmal etwas verschoben, um mehr Zeit für die Vorbereitung zu geben, sagte Spahn.