Düsseldorf - Der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich frustriert über die noch immer hohe Zahl der Corona-Impfunwilligen gezeigt. Es gebe immer noch Menschen, „die glauben, das Virus könne ihnen nichts anhaben“, sagte Spahn der Rheinischen Post. Diese Menschen würde er „am liebsten auf eine Intensivstation zerren und sie im Angesicht des Leids fragen: Was muss eigentlich noch passieren, damit ihr es kapiert?“.

Es frustriere ihn, dass mit der Corona-Impfung ein sicheres und hochwirksames Mittel gegen die Pandemie vorliege, das aber „zu viele Erwachsene trotzdem nicht nutzen“ wollten.

Spahn erwägt frühere Ministerpräsidentenkonferenz

Bei der Frage nach einer allgemeinen Impfpflicht ist der Gesundheitsminister allerdings weiterhin skeptisch. Er halte die aktuelle Debatte nicht für zielführend. „Wir brechen diese Welle ja nicht mit einer verpflichtenden Impfung. Die käme viel zu spät die Wirkung. Wir müssen jetzt Kontakte reduzieren und geschlossen staatlich handeln. Deswegen weiß ich nicht, ob alle Kraft, die wir haben grad in dieser Debatte, zum jetzigen Zeitpunkt richtig konzentriert ist.“

Spahn wurde zuletzt scharf kritisiert, unter anderem dafür, dass die Corona-Auffrischungsimpfungen verstärkt mit dem Impfstoff von Moderna anstelle von Biontech vorgenommen werden sollen. Mehrere Bundesländer sprachen sich gegen die Kontingentierung des Impfstoffs aufs. Ärzte sahen den Fortschritt der Impfkampagne „massiv behindert“.

Der CDU-Politiker schloss ein Vorziehen der für den 9. Dezember geplanten nächsten Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Lage nicht aus. „Wir sehen ja, dass in Sachsen, Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen die Lage sehr ernst ist“, sagte Spahn der Rheinischen Post. „Wir müssen wohl erstmals Patienten in großem Stil innerhalb Deutschlands verlegen. Das haben wir so noch nicht gehabt in der Pandemie. Das wird noch eine große Herausforderung werden.“