Nach Krankheit: SPD-Politiker Jens Bullerjahn ist tot

Schon im Frühjahr machte der langjährige SPD-Minister seine ALS-Erkrankung öffentlich. Nun ist Jens Bullerjahn im Alter von 60 Jahren gestorben. 

Jens Bullerjahn war zehn Jahre lang Finanzminister Sachsen-Anhalts sowie von 2006 bis 2007 SPD-Bundesvize.
Jens Bullerjahn war zehn Jahre lang Finanzminister Sachsen-Anhalts sowie von 2006 bis 2007 SPD-Bundesvize.imago/Lars Reimann

Der langjährige sachsen-anhaltische Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) ist tot. Sein Tod löste am Wochenende weit über seine Partei und die Grenzen seines Heimatlandes hinaus Trauer und Betroffenheit aus. Wie die SPD via Twitter mitteilte, starb der frühere stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende am Samstag im Alter von 60 Jahren. Bullerjahn litt nach eigenen Angaben vom Frühjahr an der Nervenkrankheit ALS.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) würdigte seinen früheren Kabinettskollegen als einen Politiker, „der dieses Land entscheidend geprägt hat“. Nach der Wiedergründung Sachsen-Anhalts sei er bereit gewesen, politische Verantwortung zu übernehmen: „Dieser Aufgabe hat er sich mit Hingabe und ganzer Kraft gewidmet.“

„Kämpfer für ostdeutsche Interessen“

Seinem Wirken als Finanzminister sei es vor allem zu verdanken gewesen, dass die Landesfinanzen saniert werden konnten. Haseloff ergänzte: „Ich habe die Zusammenarbeit mit ihm sehr geschätzt und ihn als ebenso durchsetzungsstarken wie kollegialen Politiker erlebt, für den das Wohl Sachsen-Anhalts über parteipolitischen Interessen stand.“

Die SPD Sachsen-Anhalt sprach vom Verlust eines „profilierten Politikers und Freundes mit wachem Geist und Engagementfreude für Sachsen-Anhalt“. Auch die sachsen-anhaltische SPD-Landtagsfraktion trauerte um ihren langjährigen Vorsitzenden.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sprach von einem viel zu frühen Tod. Der Sachsen-Anhalter habe die Politik seines Heimatlandes seit 1990 mitgeprägt. Der sächsische Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) zeigte sich traurig und betroffen über den Verlust eines „guten Freundes und langjährigen Weggefährten“: „Mit seinem Tod verliert die Bundesrepublik einen großen Sozialdemokraten, der sich über viele Jahrzehnte hinweg als Türöffner und Kämpfer für ostdeutsche Interessen auszeichnete.“

„Ein streitbarer Geist, im besten Sinne des Wortes“

Die Grünen-Fraktionschef im Magdeburger Landtag, Cornelia Lüddemann, schrieb auf Twitter: „Mit Jens Bullerjahn verliert Sachsen-Anhalt einen streitbaren Geist, im besten Sinne des Wortes.“ Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) zeigte sich „unendlich traurig“. Er schrieb: „Mit Jens Bullerjahn hatte ich so viele Gespräche und wir waren noch am planen. Wir wollten die Transformation Ost noch stärker puschen. Er war voller Tatendrang und hatte so viele Ideen. Dann kam seine bittere Diagnose.“

Bullerjahn wurde am 15. Juli 1962 als Sohn eines Bergmannes und einer Sekretärin in Halle/Saale geboren. Er wuchs in der Nähe von Bernburg auf. Nach Schulbildung, Ausbildung zum Elektromonteur und Wehrdienst studierte er in Magdeburg und arbeitete später im Kupferkombinat in Mansfeld.

Im Wendejahr 1989 trat Bullerjahn der Sozialdemokratischen Partei der DDR (SDP) bei. Von 2006 bis 2016 war er Finanzminister von Sachsen-Anhalt und von 2006 bis 2007 stellvertretender Bundesvorsitzender der SPD. Ende vergangenen Jahre wurde er für seine Verdienste um den Aufbau Sachsen-Anhalts und die Stabilisierung der Landesfinanzen mit dem Landesverdienstorden geehrt, der höchsten staatlichen Auszeichnung Sachsen-Anhalts.