Der Branchenverband der deutschen Spediteure hat angesichts der stark gestiegenen Benzinpreise vor der schlimmsten Versorgungskrise in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkriegs gewarnt. Es drohten „zum Teil leere Supermarkt-Regale“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands Güterverkehr und Logistik (BGL), Dirk Engelhardt, der Bild vom Samstag. Grund sei, dass immer mehr Speditionen die hohen Kraftstoffkosten nicht mehr schultern können.

„Die Situation ist deutlich angespannter als bei Corona“, sagte Engelhardt. „Es droht die schlimmste Versorgungskrise seit 70 Jahren.“ Deutschland steuere „auf eine Situation wie in England nach dem Brexit zu“. Der BGL-Chef forderte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auf, das Problem anzugehen und mit der Branche über Entlastungen zu sprechen.

Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) brachte eine befristete Senkung der Mehrwertsteuer für Kraftstoffe ins Gespräch: So könnte der Preis für einen Liter Benzin um rund 50 Cent gesenkt werden. „Ausgehend von aktuell 2,15 Euro für den Liter Super E 10 können wir mit einer Spritpreisbremse einen Preis von 1,62 Euro pro Liter erreichen, also 53 Cent billiger als derzeit“, sagte Hans der Düsseldorfer Rheinischen Post.

Möglich würde das durch eine temporäre Senkung der Mehrwertsteuer auf sieben Prozent, sagte Hans. „Das konnten wir in der Corona-Pandemie binnen einiger Tage, das muss jetzt auch im Eilverfahren zwischen Bundestag und Bundesrat geschehen.“ In einem zweiten Schritt müssten die Energiesteuern befristet auf das Minimum gesenkt werden, das die EU zugestehe.

„So können wir es schaffen, deutlich von den zwei Euro und mehr pro Liter Sprit wegzukommen“, sagte der Ministerpräsident, der sich Ende des Monats Landtagswahlen im Saarland stellen muss. Wichtig sei ihm zudem, „dass es ein Signal gibt, wir handeln. Es darf nicht immer nur nach oben gehen bei den Preisen.“

Die Preise für Benzin und Diesel waren in den vergangenen Tagen wegen des Krieges in der Ukraine extrem gestiegen – ein Liter Benzin kostet laut ADAC im Schnitt mehr als 2,20 Euro, ein Liter Diesel mehr als 2,30 Euro.