Tschernobyl - Die Ukraine hat ein Atommüllzwischenlager in der Sperrzone unweit des havarierten Kernkraftwerks Tschernobyl in Betrieb genommen. „Wir wurden zu Zeugen eines historischen Ereignisses“, sagte Energieminister German Galuschtschenko bei der Einweihungsfeier laut einer Mitteilung des Staatskonzerns Energoatom vom Freitag. Mit dem Lager werde die Abhängigkeit Kiews vom Nachbar Russland im Atommüllbereich beendet. Im Rahmen des 2017 begonnenen Baus wurden auch 43 Kilometer Eisenbahnstrecke im radioaktiv belasteten 30-Kilometer-Sperrgebiet instand gesetzt.

Das Zwischenlager soll künftig die verbrauchten Brennelemente von drei der vier Atomkraftwerke des Landes aufnehmen. Diese wurden bisher zur Wiederaufbereitung nach Russland gebracht. Energoatom gab die jährlichen Kosten dafür mit umgerechnet mehr als 170 Millionen Euro an. Kiew ist zudem vertraglich verpflichtet, wiederaufbereitete Abfälle künftig zurückzunehmen. Europas größtes Kernkraftwerk bei der Großstadt Saporischschja verfügt über eigene Lagerkapazitäten. Die Atomkraftwerke des Landes produzieren mehr als 50 Prozent des Stroms des osteuropäischen Landes.

Tschernobyl: Größte Katastrophe der zivilen Nutzung der Atomkraft

Die Explosion des Blocks vier im damals noch sowjetischen Atomkraftwerk Tschernobyl im April 1986 gilt als die größte Atomkatastrophe der zivilen Nutzung der Kernkraft. Infolgedessen wurden radioaktiv verstrahlte Landstriche um die Atomruine gesperrt. Es gab Tausende Tote und Verletzte. Zehntausende Menschen wurden zwangsumgesiedelt. Kiew will das Gebiet zunehmend wirtschaftlich und dabei auch touristisch nutzen.