Berlin - Das deutsche Feuilleton ist alarmiert: Drei deutsche Spitzenathletinnen zieren das Cover der aktuellen deutschen Playboy-Ausgabe, zwei davon oben ohne. Deutschlands beste Degenfechterin Alexandra Ndolo, Deutschlands beste Stabhochspringerin Lisa Ryzih sowie die deutsche Top-Schwimmerin Marie Pietruschka haben sich für das Magazin ausgezogen. Prompt folgt eine Welle der Empörung – Sexismus, #metoo, Aufschrei! 

Der Berliner Tagesspiegel etwa fordert Sportlerinnen in einer Schlagzeile dazu auf: „Performt lieber im Wettkampf als im ‚Playboy‘!“ Der Journalist empört sich über das seiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäße Frauenbild in dem bekannten Magazin. Auch die Berliner Zeitung berichtete über die Fotos – hier wurde „Voyeurismus“ bemängelt. Ironischerweise waren es in beiden Fällen Männer, die sich hier um die Belange von Frauen kümmerten. Auf einer anderen Ebene bedeutet das: Männer kommentieren das Handeln von Frauen. Man kann aber auch sagen: Männer, die meinen, Frauen mitteilen zu müssen, wie sie sich zu verhalten haben. My body, my choice, na klar, aber bitte nicht nackig machen. 

Waren wir nicht hier schon weiter? Wenn Frauen ihren Körper aus freier Entscheidung ästhetisch darstellen wollen, wenn sie das sogar für ein Magazin tun wollen, dessen Zielgruppe Cis-Männer sind, sollten sie dies tun dürfen, ohne dass sich Männer darüber auslassen. 

dpa/Playboy/Sacha Höchstetter
Das Cover der aktuellen Playboy-Ausgabe

Dass die Frauen in erster Linie für ihren Sport gewürdigt werden sollten, steht außer Frage. Doch wenn sie sich selbstbewusst zeigen wollen, wenn sie zeigen wollen, dass sie sich wohl in ihren Körpern fühlen, dann sollten sie dies tun dürfen, ohne dass ein Mann sie dafür maßregelt, mit welcher Intention auch immer.

Man muss den Playboy nicht mögen, man muss sich nicht ebenfalls ausziehen wollen, man kann in der Doppeldeutigkeit der Zeile „Deutschlands schönste Athletinnen machen uns Lust auf die Spiele“ latenten Sexismus erkennen. Doch eine freie Entscheidung von freien Frauen hat nichts mit Sexismus zu tun. 

Warum sollte ausgerechnet eine Sportlerin nicht ihren Körper zeigen dürfen? 

Die französische Schriftstellerin Catherine Millet hat sich in mehreren Büchern über ihre Sexualität ausgelassen, die auch von Männern gelesen werden. Ausgerechnet die auch für ihren wenig körperbetonten Kleidungsstil bekannte Sängerin Billie Eilish hat sich kürzlich in Dessous gezeigt. Warum sollte also eine Frau nicht ihren Körper zeigen dürfen, weil sie hauptberuflich Sportlerin ist? Gerade Sportler und Sportlerinnen sind doch extrem körperbewusst. Um es mit den Worten von Billie Eilish zu sagen: „Es geht einfach darum, womit du dich wohlfühlst.“