Zahlreiche Lkw-Fahrer sind am Mittwochmorgen in Konvois nach Berlin gefahren, um gegen die gestiegenen Energiepreise zu demonstrieren. Doch die angeblich großangelegte Protestaktion kam gar nicht so recht zustande, wie ein Polizeisprecher der Berliner Zeitung sagte. Denn offenbar gab es Probleme bei der Organisation und Kommunikation. „Die Lkw-Fahrer hatten die Information, dass es hier heute eine angemeldete Demonstration in Form eines Lkw-Korsos geben wird. Doch dem war nicht so“, erklärte der Polizeisprecher. Fast alle Trucker haben mittlerweile wieder die Heimfahrt angetreten.

Die Lastwagenfahrer wollten laut Aufrufen im Internet am Mittwoch auf der Berliner Stadtautobahn und dem Berliner Ring mit Schleichfahrten gegen die hohen Spritpreise demonstrieren. Organisiert wurde die Aktion von mehreren Speditionen in Brandenburg. Nach Angaben der Polizei hatten sich etwa 70 protestierende Lkw-Fahrer auf der Jesse-Owens-Allee am Olympiastadion, auf der Straße des 17. Juni (Charlottenburg) und vor dem Hauptzollamt Dreilinden an der A115 (Zehlendorf) getroffen. Auch über Neukölln sei ein Konvoi in die Stadt gekommen.

Die Berliner Polizei wies den Truckern daraufhin einen „offiziellen“ Versammlungsort auf der Straße des 17. Juni zwischen Ernst-Reuter-Platz und Siegessäule zu. Zu den befürchteten Verkehrsbeeinträchtigungen kam es aber nicht, weil sich die Versammlung laut Polizei zügig wieder auflöste. „Es wird dort keine Sternfahrt geben. Da waren wohl einige Lkw-Fahrer falsch informiert. Deshalb fahren einige von ihnen schon wieder weiter und verlassen die Innenstadt“, so die Polizei.

Lkw-Fahrer drohten mit Schleichfahrt auf dem Berliner Ring

Einem Bericht des RBB zufolge wollten die Lkw-Fahrer mindestens einmal den Berliner Ring abfahren. Die Schleichfahrt begann zum Teil mit eingeschaltetem Warnblinklicht und Tempo 30 dicht an dicht auf der rechten Spur. Blockaden oder Staus waren angeblich nicht geplant. Es gehe lediglich um Durchfahrten, hieß es. Auch in anderen Bundesländern waren Protestaktionen vorgesehen. Demnach wollten Lkw-Fahrer beispielsweise Autobahnen in Nordrhein-Westfalen blockieren.

Die Trucker fordern, dass die Mineralösteuer um 50 Cent gesenkt wird. Die Politik solle sofort etwas gegen die steigenden Preise an der Zapfsäule unternehmen und nicht erst noch lange überlegen, sagte Mit-Organisator Marcus Hustan aus Oranienburg dem RBB. Ansonsten drohe auch seinem Bauunternehmen mit 100 Mitarbeitern schon bald das Aus.

Wie die Polizeidirektion Nord in Neuruppin am frühen Mittwochmorgen mitteilte, war eine Gruppe von 15 bis 20 Fahrzeugen vom Anschluss Falkensee in Richtung Dreieck Havelland unterwegs. Auch aus einigen anderen Teilen Brandenburgs hatten sich Lkw-Fahrer für eine Fahrt nach Berlin versammelt. Mehrere Konvois näherten sich morgens der Autobahn von der A24 aus Richtung Hamburg sowie von der Bundesstraße 96.

Imago/Vitalii Kliuiev
Proteste auch in Köln: Trucker fahren im Konvoi, um gegen die hohen Spritpreise zu demonstrieren.