Sie sollen nützliche Begleiter im Alltag sein, sind aber wohl hochgefährlich: Apple Airtags werden oft an den Koffer gehängt, um via App seinen Standort verfolgen zu können. Auch für den Schlüsselbund oder die Geldbörse ist das Gadget nützlich. Aber Airtags können auch als Stalking-Werkzeug missbraucht werden, warnt Cybersicherheits-Expertin Eva Galperin. Zudem berichten seit einiger Zeit zahlreiche Menschen im Internet über vor allem gegen Frauen gerichtetes Stalking durch die missbräuchliche Verwendung von Airtags.

„Diese Tracker sind höchst gefährlich, und sie sind besonders gefährlich für Menschen, die außerhalb des Apple-Ökosystems leben“, sagt Galperin gegenüber dem Standard. iPhone-Besitzer werden im „Wo ist?“-Netzwerk gewarnt. Diese Warnungen seien „nicht schlecht“, sagt Galperin, die sich bei der Grundrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation mit dem Thema Stalking beschäftigt.

„Stalking-Werkzeug“ Apple Airtag

Menschen, die keine Apple-Produkte besitzen, seien allerdings gefährdeter. Diese behandele Apple „weniger gut“, so die Expertin. Denn: „Es gibt zwar eine Android-App, mit der man nach Trackern suchen kann, aber sie bietet nicht dasselbe Maß an Schutz“, erklärt Galperin.

Ähnliche Tracker können schon seit einigen Jahren erworben werden, doch Apple Airtags sind genauer und leistungsfähiger, was sie Galperin zufolge zu einem „besseren Stalking-Werkzeug“ mache. Auch Corbin Streett, ein Spezialist für Technologiesicherheit beim National Network to End Domestic Violence, sieht Airtags kritisch: Die Bedrohung für Intimpartner sei „einzigartig“. „In der Regel denken Unternehmen an Bedrohungen von außen, nicht an die Person, die Ihre Lieblingsfarbe und Ihr Passwort kennt und nachts neben Ihnen schläft“, sagte Streett gegenüber der Washington Post bereits im vergangenen Jahr.

Was können insbesondere Android-Nutzer tun? Eine Sicherheitsmaßnahme soll die App „Tracker Detect“ sein, die Apple im Google Play Store zur Verfügung gestellt hat. So sollen herrenlose Airtags auch außerhalb des Apple-Systems aufgespürt werden können. Auch die App „AirGuard“ vond er TU Darmstadt soll helfen und angeblich Tücken von „Tracker Detect“ ausgleichen.