WiesbadenDie Armutsgefährdung von Kindern in Deutschland ist offiziellen Zahlen zufolge weiter gesunken – dafür hat sich das Ausmaß der Kindeswohlgefährdung deutlich erhöht. Wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden zum Tag der Kinderrechte mitteilte, sank der Anteil der von Armut und sozialer Ausgrenzung bedrohten Kinder unter 18 Jahren in Deutschland im Jahr 2019 auf 15 Prozent. Dafür stieg die Zahl der Fälle von Kindeswohlgefährdung stark um zehn Prozent an.

Der Statistik zufolge galten 2019 insgesamt 2,1 Millionen der unter 18-Jährigen als armutsgefährdet, was mehr als jedem siebten Kind entsprach. Im Jahr 2018 war aber mehr als jedes sechste Kind armutsgefährdet, im Jahr 2010 sogar mehr als jedes fünfte Kind in Deutschland, so das Bundesamt.

55.500 Fälle von Kindeswohlgefährdung

Das Armutsrisiko von 15 Prozent in Deutschland liegt unter dem Durchschnitt von 22,5 Prozent in der Europäischen Union. Nur in Slowenien, Tschechien, Dänemark und Finnland gab es für Heranwachsende ein geringeres Armutsrisiko.

Allerdings wurde im vergangenen Jahr bei 55.500 Kindern eine Kindeswohlgefährdung festgestellt, dies entsprach statistisch gesehen 152 betroffenen Mädchen und Jungen pro Tag. 58 Prozent der betroffenen Kinder erlebten demnach Vernachlässigung, 32 Prozent psychische Gewalt und 27 Prozent physische Gewalt. Fünf Prozent der Kinder erlebten sexuelle Gewalt. Im Vergleich zu 2018 erhöhte sich die Anzahl der Fälle um zehn Prozentpunkte, bereits von 2017 auf 2018 war die Zahl um zehn Prozentpunkte gestiegen.

Das Statistische Bundesamt stellte zudem fest, dass es bei nahezu jedem dritten Kind in Deutschland in mindestens einem der drei folgenden Bereiche Probleme gebe: dem Bildungsstand der Eltern, dem sozioökonomischen Status der Familie oder dem Status der elterlichen Erwerbsbeteiligung. Der schulische Werdegang von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hängt demnach weiterhin stark vom familiären Hintergrund ab. 

Die Hinweise auf die Fälle kommenden Angaben zufolge zum größten Teil aus sozialen Einrichtungen wie Beratungsstellen oder der Kinder- und Jugendhilfe, häufig auch aus Schulen und Kitas oder von Ärzten und Hebammen. Nur in 15 Prozent der Fälle würden sich Betroffene oder deren Familien selbst melden, hieß es.