Berlin - Dass AfD-Fraktionschef Alexander Gauland die Nazi-Zeit als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte bezeichnet hat, ist aus Sicht der Bestsellerautorin Sophie von Bechtolsheim nicht nur sprachlich falsch. „Die Aussage von Alexander Gauland, die Nazi-Zeit sei nur ein ‚Vogelschiss‘ in der deutschen Geschichte, hat mich entsetzt“, sagte die Enkelin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg der Deutschen Presse-Agentur. „Für viele Menschen ist das, was ihnen und ihren Verwandten damals widerfahren ist, oder was sie etwa selbst verantworten müssen, bis heute prägend.“

Ihr Großvater, Oberst Stauffenberg, hatte am 20. Juli 1944 einen Sprengsatz gezündet, der Adolf Hitler töten sollte. Der Diktator überlebte. Stauffenberg und seine Mitverschwörer wurden hingerichtet. Sie habe nach der Veröffentlichung ihres Buches „Stauffenberg – Mein Großvater war kein Attentäter“ 2019 viele Zuschriften erhalten, berichtete von Bechtolsheim. Menschen hätten ihr geschildert, wie sehr sie diese Zeit bis heute persönlich beschäftige. Die Zuschriften hat die Autorin nun zum Anlass genommen für ein persönlich geprägtes Sachbuch mit dem Titel „Stauffenberg. Folgen – Zwölf Begegnungen mit der Geschichte“, das am Montag im Herder-Verlag erscheint.

AfD-Politiker Gauland räumte „politisch unkluge“ Äußerung ein 

Gauland hatte 2018 in einer Rede gesagt: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Der Satz fiel nach einem Bekenntnis von Gauland zur Verantwortung der Deutschen für den Nationalsozialismus von 1933 bis 1945. Er sagte damals weiter: „Ja, wir bekennen uns zur Verantwortung für die zwölf Jahre.“ Er machte aber auch deutlich, dass das nur ein Teil der deutschen Geschichte sei. Gauland sagte wörtlich: „Wir haben eine ruhmreiche Geschichte – und die, liebe Freunde, dauerte länger als die verdammten zwölf Jahre.“ Später räumt er ein, der von ihm verwendete Begriff „Vogelschiss“ könne falsch gedeutet werden und sei daher „politisch unklug“.

Es sei bis heute wichtig, den Zeitzeugen zuzuhören, betonte von Bechtolsheim, „denn das Gedankengut, das damals zu so furchtbaren Verbrechen geführt hat, ist ja nie komplett weg gewesen“. Sie beobachte immer wieder, „dass Reste davon bis heute existieren, die dann wie faulige Blasen an die Oberfläche kommen“.