Münster - Mehr als 220 Theologieprofessoren aus dem deutschen Sprachraum protestieren in einer am Montag veröffentlichten Stellungnahme gegen das vom Vatikan erlassene Segnungsverbot für homosexuelle Paare.

Die von einer Arbeitsgruppe der Universität Münster entworfene Stellungnahme war bis Montagnachmittag von 233 Theologieprofessoren unterzeichnet worden. Die römische Glaubenskongregation hatte am Montag vergangener Woche klargestellt, dass homosexuelle Paare nicht gesegnet werden dürften, da dies „objektiv“ nicht Gottes Wille sei. Das Vorgehen des Vatikans hat in der katholischen Kirche in Deutschland einen Proteststurm entfacht.

Ein Viertel der Deutschen findet Segnungsverbot angemessen

Die Erklärung der römischen Glaubenskongregation sei von einem „paternalistischen Gestus der Überlegenheit geprägt und diskriminiere homosexuelle Menschen und ihre Lebensentwürfe“. „Von dieser Position distanzieren wir uns entschieden. Wir gehen demgegenüber davon aus, dass das Leben und Lieben gleichgeschlechtlicher Paare vor Gott nicht weniger wert sind als das Leben und Lieben eines jeden anderen Paares.“

In vielen Gemeinden würden Priester, Diakone und andere Seelsorger und Seelsorgerinnen Segnungsfeiern für gleichgeschlechtliche Paare anbieten. „Wir begrüßen diese würdigenden Praktiken ausdrücklich.“ Der Erklärung der Glaubenskongregation fehle es an theologischer Tiefe und argumentativer Stringenz. „Werden wissenschaftliche Erkenntnisse ignoriert und nicht rezipiert, wie es in dem Dokument der Fall ist, untergräbt das Lehramt seine eigene Autorität.“

In einer aktuellen YouGov-Umfrage bezeichneten immerhin 23 Prozent der Befragten in Deutschland das Segnungsverbot des Vatikans als angemessen. 62 Prozent finden es nicht angemessen, 15 Prozent machten keine Angabe. Ein auffälliges Detail: Nur 18 Prozent der befragten Frauen unterstützen das Nein des Vatikans, aber 29 Prozent der Männer.