Berlin - Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, zweifelt an der Sinnhaftigkeit von Massentests für Schüler. „Ich frage mich, wie wichtig es tatsächlich ist, jedes symptomlos infizierte Kind durch Testung zu entdecken“, sagte Mertens der Schwäbischen Zeitung in Ravensburg. „Würde es möglicherweise reichen, jedes Kind mit Symptomen frühzeitig zu identifizieren und zu isolieren? Das mag zwar ketzerisch klingen, aber man sollte darüber nachdenken.“ Mertens betonte, alle Maßnahmen zum Infektionsschutz an Schulen sollten „auch hinsichtlich ihrer spezifischen Wirksamkeit“ überprüft werden. Diese solle man „möglichst sinnvoll“ einsetzen.

Die Virologin Melanie Brinkmann forderte angesichts der sich verbreitenden ansteckenderen Delta-Variante zuletzt den vermehrten Einsatz sogenannter Lollitests oder Gurgeltests – anstelle der weniger präzisen Antigen-Schnelltests. „Das spart Kosten und kann per PCR ausgewertet werden.“ Viele Schüler werden zum Schulbeginn nach den Sommerferien noch ungeimpft sein. Bisher ist nur der Impfstoff von Biontech/Pfizer für Jugendliche ab 17 Jahren freigegeben. Die Stiko hat keine generelle Corona-Impf-Empfehlung für Kinder und Jugendliche ausgesprochen.