Berlin - Der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, würde sein eigenes Kind derzeit nicht impfen lassen. Das sagte Mertens am Donnerstag in einem Podcast der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ)

Laut Mertens gibt es jenseits der Daten aus der Zulassungsstudie „keinerlei Daten“ über die Verträglichkeit des Impfstoffs in der Gruppe der Fünf- bis Elfjährigen. Aktuelle Publikationen zeigten, dass Aussagen über Langzeitschäden kaum möglich seien. Auf die Frage, ob er sein eigenes, siebenjähriges Kind derzeit impfen lassen würde, wenn er eines hätte, sagte Mertens: „Ich würde es wahrscheinlich jetzt nicht impfen lassen.“

Gerade weil Corona-Infektionen bei Kindern in der Regel harmlos verliefen, müsse man umso sicherer sein, dass die Impfung auf Dauer gut verträglich sei. Vor dieser Abwägung stehe die Stiko nun, so Mertens weiter.

Impfkommission will rechtzeitig Empfehlung zu Kinder-Impfung abgeben

Die Stiko will auf die um eine Woche vorgezogene Auslieferung des speziellen Corona-Impfstoffs für Kinder von fünf und elf Jahren reagieren. „Wenn irgend möglich“ solle bis zum 13. Dezember eine Empfehlung vorliegen, teilte Mertens auf Anfrage der dpa mit. Stiko-Mitglied Martin Terhardt sagte am Mittwochabend in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“: „Wir werden sicherlich bis dahin eine Empfehlung haben.“

Es gibt schon länger Hinweise darauf, dass die Stiko die Impfung zunächst ausdrücklich nur für Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen und erkrankten Angehörigen ausdrücklich empfehlen könnte. Eine spätere Ausweitung auf alle Gruppen hatte es auch beim Impfen von 12- bis 17-Jährigen gegeben. Dies würde aber nicht bedeuten, dass die Impfung nach ärztlicher Aufklärung und bei individuellem Wunsch und Risikoakzeptanz des Kindes oder der Sorgeberechtigten nicht möglich ist, hatte die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin vergangene Woche nach der Zulassung des Mittels durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA betont.

Die Sicherheitsdaten für den Kinder-Impfstoff seien noch nicht ganz ausreichend, sagte auch Terhardt. Zum Risiko von Herzmuskelentzündungen sei noch nichts bekannt. Bis zur Klärung der Frage könne es Januar oder Februar werden, erwartet würden dazu Daten aus den USA, wo Kinder in dem Alter bereits in großer Zahl gegen Covid-19 geimpft werden. Sehr seltene Nebenwirkungen können mit einer Probandenzahl wie in der Zulassungsstudie nicht erfasst werden.

Beim Impfstoff für Fünf- bis Elfjährige geht es um ein niedriger dosiertes und anders abgefülltes Präparat im Vergleich zum herkömmlichen Biontech-Impfstoff. Es gibt jetzt schon Ärzte, die den schon verfügbaren Impfstoff in verringerter Dosis einsetzen, dies fällt laut Kinderärzten unter sogenannten Off-Label-Use. (mit dpa)