Berlin - Mit Einführung der 2G-Regeln in immer mehr Bereichen des öffentlichen Lebens geraten Kinder und Jugendliche verstärkt in den Fokus. Der Epidemiologe Prof. Dr. Rüdiger von Kries ist seit 1998 Mitglied der Ständigen Impfkommission und nach Angaben des Robert-Koch-Instituts Mitglied der Arbeitsgruppe Covid-19-Impfung. Dass 2G Regeln auch für Jugendliche gelten, kritisiert der Mediziner scharf. In einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Bayerischen Rundfunk sagt der Impfbefürworter von Kries, man müsse Jugendliche „vor der Politik schützen und nicht vor Covid“. 

Ungeimpfte Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren dürfen in Bayern bei der Warnstufe Rot ab Donnerstag nicht mehr ins Fußballstadion, ins Kino, auf Konzerte und ähnliche öffentliche Veranstaltungen. Die jetzt nachgeschobenen Ausnahmeregelungen von 2G für Jugendliche gelten nach Angaben der bayerischen Staatskanzlei nur übergangsweise für „sportliche und musikalische Eigenaktivitäten und Theatergruppen“. Damit sollten ungeimpfte Jugendliche Zeit bekommen, sich noch gegen Corona impfen zu lassen. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind in Bayern rund 40 Prozent der 12 - 17-Jährigen vollständig geimpft, 60 Prozent sind ungeimpft. Dazu fragt ein Moderator des Bayerischen Rundfunks den Epidemiologen von Kries in der BR24-Rundschau: „Wie kriegen wir denn diese 60 Prozent ungeimpften Jugendlichen doch noch zur Spritze? Haben Sie eine Idee?“

Der Professor dazu: „Nicht indem wir ihnen die Hölle heiß machen und nicht, indem wir Ihnen das Leben unangenehm machen“. Sollte ihn ein Jugendlicher fragen, werde er sagen: Ja, lass Dich impfen. Von Kries sagt weiter, dass der Benefit einer Impfung für die eigene Gesundheit zwar begrenzt, aber gegeben sei.  Der Hauptgewinn der Impfung für einen Jugendliche sei aber, dass ihm Dinge „erspart bleiben“, die „Ungeimpften im Leben auferlegt werden“. Wenn ein Jugendlicher der Meinung sei, eine Erkrankung mit Corona würde bei ihm vermutlich nicht schwer verlaufen, habe er damit „wohl recht“.

Professor: Es ist besser, sich impfen zu lassen, als sich nicht impfen zu lassen

Es sei zwar besser, „sich impfen zu lassen, als sich nicht impfen zu lassen“, so wie es auch besser sei, „gesund statt krank zu sein“. Einer möglichen Impfpflicht für Jugendliche erteilt der Professor der Ludwig-Maximilians-Universität München aber eine klare Absage. Von Kries: „Eine Impfpflicht für Jugendliche wäre schlicht absurd.“ Wenn sich die bisher ungeimpften Jugendlichen nun doch impfen lassen würden, sei das „schön, aber sicherlich nicht das Entscheidende zum Überleben unserer Republik oder zum Management der Corona-Epidemie“.

Wenn die noch ungeimpften Jugendlichen sich „natürlich immunisieren“, werde das „weder das Krankenhaussystem zum Zusammenbrechen bringen, noch würde es den Menschen in größerem Maße Schaden zufügen“. Und weiter: „Ein bisschen Krankheit gehört nunmal zum Leben.“ Eine höhere Impfquote bei Jugendlichen könne nicht der entscheidende Punkt sein „für die Freigabe der Teilnahme am Leben“, so der Mediziner.

Nach massiven Protesten gegen die strikte Einführung der 2G-Regel für Jugendliche ruderte die bayerische Regierung ein wenig zurück. Dazu sagt Professor von Kries, dass Jugendliche nicht scher erkranken würden. Daher „müssen die Jugendlichen bestenfalls vor der Politik und nicht vor Covid geschützt werden. Dass die Staatsregierung das nun verstanden hat, ist doch großartig“.

Zu den hohen Inzidenzen von teils 500 und mehr bei Jugendlichen sagt der Mediziner vor: „Das einzige Problem, was sich daraus ergeben könnte, wäre, dass jetzt plötzlich die Kinderintensivstationen volllaufen würden.“ Das sei aber „ausgesprochen unwahrscheinlich“. Dann rechnet der Mediziner vor, es gebe derzeit grob gerechnet 2,5 Millionen ungeimpfte Jugendliche. Diese würden sich der Reihe nach infizieren. Wenn das geschehe, würde das wiederum dazu führen, dass „einer von Zehntausend einen Intensivplatz braucht“. Hochgerechnet seien es also rund 200 Jugendliche oder „ein paar mehr, die einen Intensivplatz brauchen. Aber das ist überschaubar“. Zum Ende des Interviews bedankt sich Rüdiger für „die Einladung, diese Position darstellen zu können“.

Den gesamten Beitrag der Rundschau finden sie hier, das Interview mit Prof. Dr. Rüdiger von Kries beginnt bei Minute 5:00.