Palermo - Die internationale Videoplattform TikTok steht aufgrund des einfachen Zugangs für minderjährige Nutzer seit längerem in der Kritik. Im italienischen Palermo soll nun ein virtueller Wettkampf auf dem Portal zum Tod einer Zehnjährigen geführt haben. Medienberichten zufolge soll das Mädchen an einer sogenannten „Blackout challenge“, einer Herausforderung unter Jugendlichen auf TikTok, teilgenommen haben. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen in dem Fall übernommen. 

Wie die österreichische Tageszeitung Die Presse berichtet, soll die Zehnjährige sich selbst mit einem Gürtel stranguliert haben, was zum Herzstillstand geführt habe. Sie sei in einem lebensbedrohlichen Zustand von ihren Eltern in ein Krankenhaus gebracht worden, nachdem ihre Schwester sie bewusstlos aufgefunden habe. Ärzte hätten dann am Donnerstag den Hirntod des Kindes feststellt.

Neue Standards bei TikTok sollen Kinder schützen

Das Smartphone des Mädchens wurde von der Polizei beschlagnahmt. Ein Sprecher der TikTok-Plattform erklärte sich bereit, bei den Ermittlungen mit den Justizbehörden zusammenzuarbeiten. Die Sicherheit der TikTok-Gemeinschaft habe „absolute Priorität“, so der Sprecher. In Italien löste der tragische Fall eine erneute Debatte darüber aus, den Zugang zu Smartphones für Kinder einzuschränken. 

Tiktok hatte Mitte Januar Änderungen bei den Standard-Kontoeinstellungen minderjähriger Nutzer angekündigt. Ziel seien höhere Datenschutz- und Sicherheitsstandards auf der Videoplattform, wie das Unternehmen mitteilte. Zum Thema Altersprüfung hatte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur erklärt: „Die Frage der Altersprüfung – das sogenannte Age-Gating – ist eine industrieweite Herausforderung, an der wir gemeinsam mit Behörden und unseren Partnern aus der Industrie arbeiten.“ Stelle man fest, dass eine Nutzerin oder ein Nutzer jünger als 13 Jahre sei, werde das Konto deaktiviert.

Folgendes soll nach Angaben des Unternehmens zeitnah geändert werden:

  • Konten von 13- bis 15-Jährigen werden auf „privat“ voreingestellt. Im Gegensatz zur Einstellung „öffentlich“ kann man so selbst entscheiden, wer einem folgen und seine Videos sehen darf. Tiktok richtet sich laut Nutzungsbedingungen nur an Nutzerinnen und Nutzer, die mindestens 13 Jahre alt sind.
  • Videos von 13- bis 15-Jährigen können nicht mehr heruntergeladen werden. Bei 16- und 17-Jährigen wird die Downloadmöglichkeit automatisch ausgeschaltet, kann aber von den Nutzerinnen und Nutzern selbst wieder aktiviert werden.
  • Die Kommentarfunktion unter ihren Videos können 13- bis 15-Jährige nur noch für niemanden oder nur für Freunde freigeben, nicht mehr für alle.
  • Das parallele Aufzeichnen eines Videos zu einem bereits bestehenden Video (Duett) sowie das Bearbeiten und Integrieren von Videoausschnitten (Stitch) in eigene Videos sind nur noch für Inhalte verfügbar, die von mindestens 16-Jährigen erstellt wurden. Für 16- und 17-Jährige werden die Duett- und die Stitch-Standardeinstellung zudem auf „Freunde“ gesetzt.
  • Die Funktion „Schlage anderen dein Konto vor“ wird bei Konten von 13- bis 15-Jährigen standardmäßig deaktiviert.

Eine Voraussetzung dafür, dass die Maßnahmen greifen, ist natürlich, dass die Nutzerinnen und Nutzer beim Erstellen ihres Kontos ihr wahres Geburtsdatum angegeben und nicht geschummelt haben. Denn das Alter wird bei der Anmeldung nur abgefragt, nicht überprüft. (mit dpa)