Streiks und Massenproteste: Die Franzosen wollen die Rente mit 64 nicht

Hunderttausende demonstrieren in Frankreich gegen die geplante Rentenreform: Die Regierung will, dass die Franzosen zwei Jahre länger arbeiten.

Gegen die geplante Rentenreform von Präsident Macron regt sich weiter erbitterter Widerstand. Abermals gingen Hunderttausende Menschen auf die Straße. 
Gegen die geplante Rentenreform von Präsident Macron regt sich weiter erbitterter Widerstand. Abermals gingen Hunderttausende Menschen auf die Straße. Christophe Ena/AP

Bei Streiks und Massenprotesten haben sich in Frankreich nach Behördenangaben landesweit rund 440.000 Menschen der geplanten Rentenreform der Regierung entgegengestellt. Den Zahlen des Innenministeriums zufolge protestierten damit am Donnerstag weniger Menschen als bei den vorherigen Aktionstagen. Die Gewerkschaft CGT hingegen sprach von 1,3 Millionen Demonstrantinnen und Demonstranten.

In Paris demonstrierten laut CGT am Donnerstag 300.000 Menschen, laut Polizei waren es aber nur 37.000 - und damit deutlich weniger als am vergangenen Samstag.

Proteste in Frankreich: Streik bei der Eisenbahn

Bei der Bahn kam es zu Zugausfällen auf weniger befahrenen Strecken. Bei der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF streikten 14 Prozent der Beschäftigten und damit deutlich weniger als zuvor. Der Pariser Nahverkehr funktionierte weitgehend normal. Die Schulen waren schon deswegen weniger betroffen, weil in Teilen des Landes derzeit Winterferien sind.

Doch wurden aufgrund von Streiks Flüge gestrichen. Mitarbeiter des staatlichen Stromversorgers EDF drosselten zudem die Stromproduktion, zu Stromausfällen kam es aber nicht.

Das Renteneintrittsalter soll auf 64 Jahre angehoben werden. Die Franzosen laufen Sturm.
Das Renteneintrittsalter soll auf 64 Jahre angehoben werden. Die Franzosen laufen Sturm.Alain Pitton/imago

Die Rentenreform gilt als eines der zentralen Vorhaben von Präsident Emmanuel Macron. Die Gewerkschaften halten das Projekt für ungerecht und brutal. Die Regierung will das Renteneintrittsalter schrittweise von 62 auf 64 Jahre anheben. Außerdem soll die Zahl der nötigen Einzahlungsjahre für eine volle Rente schneller steigen.

Rente beginnt in Frankreich tatsächlich meist später als mit 62 Jahren

Derzeit liegt das Renteneintrittsalter bei 62 Jahren. Tatsächlich beginnt der Ruhestand im Schnitt aber später: Wer nicht lang genug eingezahlt hat, um Anspruch auf eine volle Rente zu haben, arbeitet länger. Mit 67 Jahren gibt es dann unabhängig von der Einzahldauer eine Rente ohne Abschlag - dies will die Regierung beibehalten. Die monatliche Mindestrente will sie auf etwa 1200 Euro hochsetzen.

„Die Rentenreform ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt“, sagte CGT-Gewerkschaftschef Philippe Martinez. „Die Abgeordneten können die Menschenmengen auf der Straße nicht einfach ignorieren“, fügte er hinzu. Für den 7. März haben die Gewerkschaften bereits dazu aufgerufen, „das ganze Land lahmzulegen“.

Auch Studenten- und Schülerorganisationen riefen zu einer „Verstärkung der Bewegung“ gegen die Rentenreform auf. Für den 9. März planen sie demnach einen Mobilisierungstag der Jugend. Bereits am Donnerstag blieben mehrere Universitätsstandorte geschlossen.