Berlin Die Entscheidung des rot-rot-grünen Berliner Senats, die Maskenpflicht an Schulen auszuweiten, ist auf ein geteiltes Echo gestoßen. Selbst die Fraktionsvorsitzende der Berliner Grünen, Antje Kapek, übte daran Kritik: „Ich bin erschüttert, dass wir eine #Maskenpflicht für Grundschüler einführen“, twitterte sie am Donnerstag. „Sehr, sehr viele 10- und 1-1jährige Kinder werden wahrscheinlich bis zum Ende des Schuljahres bis zu 8 Stunden am Tag Maske tragen. Ich kenne ehrlich gesagt wenig Politiker, die das vormachen.“

Der Senat hatte sich am Donnerstag darauf verständigt, die Maskenpflicht im Unterricht auszuweiten. Sie gilt künftig auch in den Klassen 5 und 6 an den Grundschulen und Gemeinschaftsschulen in allen Berliner Bezirken mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte sich noch zu Beginn des Schuljahrs gegen eine Maskenpflicht im Unterricht ausgesprochen. „Ich sehe es inzwischen aber so, dass wir von der Realität ein Stück weit eingeholt wurden“, sagte der GEW-Landesvorsitzende Tom Erdmann am Freitag. „Die Kinder tragen die Masken deutlich besser, als alle befürchtet hatten.“

Berlins Elternausschussvorsitzender Norman Heise sagte, viele Eltern hätten für die Maskenpflicht Verständnis, viele andere nicht. „Wir sind nicht in der Situation zu sagen, wo ist die Mehrheit.“ Wichtig sei, dass die Kinder die Mund-Nasen-Bedeckung nicht durchgehend tragen müssten.

In den weiterführenden Schulen, wo die Maskenpflicht bereits länger gilt, gelinge das. Bei versetztem Unterrichtsbeginn und damit auch versetzten Hofpausen gebe es die Möglichkeit, die Maske zum Beispiel während der Pausen abzusetzen. Es müsse aber auch im Unterricht möglich sein, mal die Maske abzusetzen und zum Beispiel einen Schluck zu trinken. „Da ist der gesunde Menschenverstand gefordert.“

FDP-Fraktion lehnt Ausweitung der Maskenpflicht an Schulen ab

Die Berliner FDP-Fraktion lehnt eine Ausweitung der Maskenpflicht an den Schulen ab, wie deren bildungspolitischer Sprecher, Paul Fresdorf, am Freitag erklärte: „Was die Schülerinnen und Schüler sowie das Lehrpersonal an den Hauptstadtschulen brauchen, sind schulindividuelle Lösungen.“ Außerdem sei ein tragendes Hygienekonzept nötig.

„Immer noch fehlen an vielen Berliner Schulen Luftreinigungssysteme oder auch Desinfektionsspender, geschweige denn eine funktionierende Digitalisierung“, kritisierte Fresdorf. „Das alles kann dazu beitragen, dass der Regelunterricht an den Schulen – auch bei stark zunehmenden Infektionszahlen – aufrechterhalten werden kann.“

Der CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner sagte am Freitag, die Ausweitung der Maskenpflicht sei leider notwendig. Er kritisierte Rot-Rot-Grün aber ebenfalls: „Der Senat hat es im Sommer versäumt, die Schulen auf die zweite Infektionswelle vorzubereiten.“ Und weiter: „Jetzt ist Eile bei der Umsetzung digitaler Unterrichtsformen geboten. Bis die Schule im Januar wieder beginnt, sollten sämtliche Vorbereitungen für einen hybriden Unterricht getroffen worden sein.“