Strom ist im vergangenen Jahr deutlich teurer geworden. Nach Angaben des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) waren die Preise an der Strombörse 2021 die höchsten seit mindestens 20 Jahren. 500 Euro und mehr pro Megawattstunde – so viel kostete Strom in Großhandel in einzelnen Stunden. Das sorgt inzwischen für Turbulenzen auf dem Energiemarkt. Einige Stromanbieter haben durch diese Entwicklungen Probleme bekommen. „Die Anzahl der Anbieter, die die Belieferung einstellen, ist in jüngster Zeit gestiegen“, sagt Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale NRW. Manche sind sogar in die Insolvenz gerutscht.

Das Problem für Kundinnen und Kunden: Sie verlieren ihren bisherigen Energieversorger und fallen in die Ersatzversorgung. Die übernimmt der sogenannte Grundversorger, also das Unternehmen, das in einem bestimmten Netzgebiet die meisten Kunden beliefert. „Einige Grundversorger verlangen aber nun von diesen Neukunden Strompreise, die um ein Vielfaches höher liegen als die der Bestandskunden“, sagt Udo Sieverding. Was tun? Drei Tipps:

1. Zählerstand notieren

Kündigt der Versorger an, die Belieferung einzustellen, sollte das Schreiben nicht einfach nur beiseite gelegt werden. Sinnvoll ist es, sich den Zählerstand zu diesem Zeitpunkt zu notieren. Das kann bei späteren Abrechnungen helfen. „Im Zweifel müssen Sie versuchen, den Zählerstand zu rekonstruieren“, rät Sieverding. Ebenfalls wichtig: Wurden die regelmäßigen Abschläge per Dauerauftrag oder Einzugsermächtigung bezahlt, sollten Betroffene den Dauerauftrag löschen oder die Einzugsermächtigung widerrufen.

2. Neuen Stromtarif suchen

Die Grundversorger galten bisher als teuer. Angesichts des steigenden Preisniveaus ist das nicht mehr in jedem Fall so. Kundinnen und Kunden sollten in jedem Fall erst einmal prüfen, wie viel sie aktuell für Strom zahlen müssen. „Suchen Sie nach günstigen Alternativen“, rät Sieverding. Dazu bieten sich Vergleichsportale an.

Eine durch den Grundversorger vorgenommene Belieferung in der Ersatzversorgung kann fristlos gekündigt werden. Nach Ablauf von drei Monaten in der Ersatzversorgung werden Verbraucherinnen und Verbraucher automatisch dem Grundversorgungstarif zugeordnet. Diesen Tarif kann man jederzeit mit einer Frist von 2 Wochen kündigen.

3. Ansprüche auf Schadenersatz prüfen

Hat der bisherige Anbieter einfach die Belieferung eingestellt, können Verbraucherinnen und Verbraucher nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW Anspruch auf Schadenersatz haben. „Dabei handelt es sich um eine Vertragsverletzung“, sagt Sieverding. „Das ist rechtlich unzulässig.“

Ein Schaden könnte zum Beispiel dadurch entstehen, dass die Belieferung durch den Grundversorger nur zu einem höheren Preis als im ursprünglich vereinbarten Tarif möglich ist. Der Schaden ist dann die Differenz zwischen dem ursprünglich vereinbarten und dem neuen höheren Preis der Belieferung. „Den Schaden müssen Kundinnen und Kunden gegenüber dem Anbieter darlegen und Ausgleich einfordern“, sagt Sieverding. Die Verbraucherzentrale stellt dazu Musterbriefe bereit.