Das Interesse an Nachrichten ist in Deutschland einer Umfrage zufolge deutlich gesunken. Nur noch 57 Prozent der Internetnutzer geben an, sich für Informationen über das aktuelle Geschehen zu interessieren, wie aus dem am Mittwoch veröffentlichten „Reuters Institute Digital News Report 2022“ hervorgeht. Das sind zehn Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Befragt wurden in Deutschland rund 2.000 Erwachsene online.

Immer mehr Menschen vermeiden der Studie zufolge Angst machende Nachrichten wie die Corona-Pandemie, den Ukraine-Krieg oder die drohende Wirtschaftskrise. „Die Themen, die Journalisten für die wichtigsten halten - politische Krisen, internationale Konflikte oder Pandemien - scheinen genau diejenigen zu sein, die auf manche Menschen abstoßend wirken“, erklärte der Hauptautor Nic Newman.

Bei den Deutschen ging das Interesse bei den 18- bis 24-Jährigen am deutlichsten zurück. Von ihnen interessieren sich den Angaben zufolge nur 31 Prozent für Nachrichten, ein Minus von 19 Prozentpunkten.

Gleichzeitig stieg der Anteil derjenigen, die zumindest gelegentlich versuchen, Nachrichten aus dem Weg zu gehen, auf 65 Prozent. Zur Begründung gaben viele an, Nachrichten hätten negative Auswirkungen auf die Stimmung und führten zu Streitigkeiten. Insbesondere junge Menschen haben außerdem mitunter Schwierigkeiten, Nachrichten zu verstehen, wie es hieß.

Dennoch sehen, hören oder lesen 92 Prozent der Befragten mehrmals pro Woche Nachrichten (2021: 92 Prozent). Dafür nutzen die meisten das Internet. Mit 68 Prozent wöchentlicher Reichweite hat es sich vor das Fernsehen mit 65 Prozent geschoben. Im vergangenen Jahr lagen beide Gattungen mit jeweils 69 Prozent noch gleichauf.

Soziale Medien werden immer mehr zum Verbreitungsportal für Nachrichten

Auch im Netz dominieren nach Studienangaben traditionelle Nachrichtenanbieter die Nachrichtennutzung. 47 Prozent nutzen regelmäßig die Inhalte etablierter Nachrichtenseiten; bei den 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 49 Prozent. In dieser Altersgruppe sind jedoch soziale Medien mit 55 Prozent die am weitesten verbreitete Quelle für Nachrichteninhalte im Internet. Für 39 Prozent unter ihnen sind sie auch die wichtigste Ressource für Nachrichten, was einem Anstieg von 14 Prozentpunkten entspricht.

Die Hälfte der erwachsenen Onliner vertritt der Untersuchung zufolge die Ansicht, man könne dem Großteil der Nachrichten in der Regel vertrauen. Das sind drei Prozentpunkte weniger als 2021 (53 Prozent), jedoch fünf Prozentpunkte mehr als vor der Pandemie. Im internationalen Vergleich gehört Deutschland damit zu den Ländern mit dem höchsten Vertrauen in Nachrichten. Unter den abgefragten Marken erhielten „Tagesschau“ und „heute“ die höchsten Vertrauenswerte, gefolgt von regionalen und lokalen Tageszeitungen.

Für die Studie befragte das 2006 gegründete Reuters Institute insgesamt über 93.000 Personen in 46 Ländern. Für die deutsche Teilstudie ist seit 2013 das Leibniz-Institut für Medienforschung / Hans-Bredow-Institut verantwortlich.